Sonntag, 21. Oktober 2012

philopraxis.ch ist nun 10

Siehe   http://www.philopraxis.ch/208/%C3%9Cber_uns/Jubil%C3%A4um_10.html

http://www.philopraxis.ch/wcms/ftp//p/philopraxis.ch/uploads/ansprachedetlefstaudejubilum10jahrephilopraxis.ch.pdf

http://www.philopraxis.ch/wcms/ftp//p/philopraxis.ch/uploads/anspracheevaschiffer-10-jhrigesjubilumdesnetzwerks.pdf

http://www.philopraxis.ch/wcms/ftp//p/philopraxis.ch/uploads/ansprachemikeroth-philopraxis.chistnun10.pdf

oder gleich hier
 Philopraxis.ch ist nun 10
                       19. OKT 2012
                       
Ich persönlich bin erst in der zweiten Hälfte dieser Zeit dabei. Was mir an unserem philoclub* gefällt?

Nun, da ist erst einmal „small is beautiful“ zu nennen: wir sind eine überschaubare Gruppe von Philosophierenden. Wir haben das Sommer- und das Wintertreffen (also auch nicht zu viele Termine). Und dazu haben Einige dann noch Kontakt in kleinerem regionalem Kreis. Das hörte ich von Basel und ich kenne es vom Café Philo  im Alten Schloss / Bern-Bümpliz (Mastronardi / Roth / Staude).

Zweitens ist da der Sinnspruch „Jede Philosophische Praxis ist anders.“  geprägt von unserem „Ex“ Roli aus Luzern. Das hält das Konzept der philosophisch Praktizierenden offen.

Drittens :  in relativ kurzen Abständen gibt es Veröffentlichungen aus unserem Kreis – von Einzelnen, von Grüppchen und von Gruppen. Nennen kann ich aus diesem Jahr: Bernadette Straessle, FREUDE AM DENKEN Philosophinnen im Gespräch (Bilder und Texte von Annemarie Pieper (Vorwort), Christine Abbt, Angelica Baum, Martina Bernasconi, Antonia Bertschinger, Barbara Bleisch, Dagmar Fenner, Katharina Matter, Patricia Purtschert, Ursula Renz, Lisa Schmuckli, Eva Zoller, Simone Zurbuchen - & der Gesprächspartnerin B. Straessle/Winter­thur). Drei der Genannten sind Mitglieder im Netz  www.philopraxis.ch

Als gemischtes Doppel präsentieren unsere Mitglieder Dominique Zimmermann (Basel) & Imre Hofmann (Zürich) den Text „Die andere Beziehung. Polyamorie und philosophische Praxis“ (Stuttgart 2012).

Hauptsächlich für Anlässe im Rahmen von philopraxis entstanden die Texte zu „Viel Glück“ (Beiträge von Thomas F. Mastronardi, Christine Mok-Wendt, Anja Sagara Ritter, Roth (auch Hg.), Maria Rüdisser, Tillmann Weißer & Lydia Wobst) – PHILOSOPHISCHE PRAXIS 4, Konstanz 2012
Und viertens: wir bemühen uns um länderübergreifenden praxisbezogenen Austausch im Raum Schweiz, D-Südwest & A-Vorarlberg (wenn das z.Zt. auch noch etwas Zukunftsmusik ist). Das ist anregend für die Selbstreflexion und das Philosophieren miteinander.

PD V.M. Roth  ,    19. 10. 2012
SinnPraxis@gmail.com

*In Variation der 2012 in „Der Sokrates-Club“ von Julian Nida-Rümelin / Nathalie Weidenfeld vorgetragenen Gedanken  zum philosophischen Gespräch (dort: mit Kindern) lässt sich auch für unser Netz philosophischer Praktiker formulieren, „dass  philosophische Schulstreitigkeiten“ (siehe 15f) unseren Gedankenaustausch nicht behindern sollen. Dies wird von Manchen auch als Motiv ihrer Entscheidung  für Philosophieren ausserhalb der „Akademie“ genannt. Zu den Tätigkeitsfeldern Philosophischer Praxis siehe www.philopraxis.ch

Abgesang aus 2400 Jahren:
Der Apollon-Tempel in Delphi. Das wichtigste Orakel im antiken Griechenland war Apollon geweiht, dem Gott des Lichts.
„Chairephon ... fragte an, ob wohl jemand weiser wäre als ich. Da leugnete nun die Pythia, daß jemand weiser wäre. ... Bedenkt nun, weshalb ich dieses sage; ich will euch nämlich erklären, woher doch die Verleumdung gegen mich - den Philosophen - entstanden ist. Denn nachdem ich dieses gehört, gedachte ich bei mir also: Was meint doch wohl der Gott? Und was will er etwa andeuten? Denn das bin ich mir doch bewußt, daß ich weder viel noch wenig weise bin. Was meint er also mit der Behauptung, ich sei der Weiseste? Denn lügen wird er doch wohl nicht; das ist ihm ja nicht verstattet. Und lange Zeit konnte ich nicht begreifen, was er meinte; endlich wendete ich mich gar ungern zur Untersuchung der Sache auf folgende Art. Ich ging zu einem von den für weise Gehaltenen, um dort, wenn irgendwo, das Orakel zu überführen und dem Spruch zu zeigen: Dieser ist doch wohl weiser als ich, du aber hast auf mich ausgesagt. Indem ich nun diesen beschaute, denn ihn mit Namen zu nennen ist nicht nötig, es war aber einer von den Staatsmännern, auf welchen schauend es mir folgendergestalt erging, ihr Athener. Im Gespräch mit ihm schien mir dieser Mann zwar vielen andern Menschen auch, am meisten aber sich selbst sehr weise vorzukommen, es zu sein aber gar nicht. Darauf nun versuchte ich ihm zu zeigen, er glaubte zwar weise zu sein, wäre es aber nicht; wodurch ich dann ihm selbst verhaßt ward und vielen der Anwesenden. Indem ich also fortging, gedachte ich bei mir selbst, als dieser Mann bin ich nun freilich weiser. Denn es mag wohl eben keiner von uns beiden etwas tüchtiges oder sonderliches wissen; allein dieser doch meint zu wissen, da er nicht weiß, ich aber, wie ich eben nicht weiß, so meine ich es auch nicht. Ich scheine also um dieses wenige doch weiser zu sein als er, daß ich, was ich nicht weiß, auch nicht glaube zu wissen. Hierauf ging ich dann zu einem anderen von den für noch weiser als jener Geltenden, und es dünkte mich eben dasselbe, und ich wurde dadurch ihm selbst sowohl als vielen anderen verhaßt. Nach diesem nun ging ich schon nach der Reihe, bemerkend freilich und bedauernd und auch in Furcht darüber, daß ich mich verhaßt machte; doch aber dünkte es mich notwendig, des Gottes Sache über alles andere zu setzen; und so mußte ich denn gehen, immer dem Orakel nachdenkend, was es wohl meine, zu allen, welche dafür galten, etwas zu wissen.“
– Platon, Apologie des Sokrates

Sonntag, 16. September 2012

ISBN 978.3 -00- 039512 -8 V.M.Roth (hg.) Viel GLÜCK

PHILOSOPHISCHE PRAXIS 4 liegt nun auch gedruckt vor

Ich mag die Mischung aus kreativer BeGEISTerung und der tief(en) fragenden Haltung, die sich in Konzept und Aufmachung für den Leser öffnet. 
F.H.

Samstag, 8. September 2012

Zu einer Aufgabe für Menschen Mike Roth

    Hans Jonas:  Vom Gott der Philosophen  zu einer Aufgabe für Menschen

Dieser Gedankengang wurde  am 17.12.11 vorgetragen beim Philo Café BERN, Altes Schloss Bümpliz.
Gliederung:
     1. Zu geläufiger, religiöser Rede von GOTT in unserem Kulturkreis:
habemus papam – die tickende Denkbombe in diesem Film
Saul Bellow: Gelobt sei Gott / US-Eastcoast
 das kurze JONA Bibelbuch
Der Jonas Fisch
zwei Weisen das Bild gedanklich zu fassen
(Hans Jonas 1979: der ökologische Imperativ
Zum Gott der Philosophen und einer ungelösten Aufgabe für Menschen ... AUSLASSUNG)
                                           * * *

„Habemus Papam“ (wir haben den neuen Papst) – ich weiss nicht, wer von Euch /von Ihnen den Film gesehen hat - ?  Das ist ein recht leiser (auch kinderfreier) Film. Nur an wenigen Stellen wird’s laut. Der Film enthält aber eine tickende DenkBombe – die mit unserm Thema zu tun hat. Traditionell wird sie etwa in dieser Form wiedergegeben:
„Wem Gott gibt ein Amt, dem gibt er auch Verstand !“
Vom Papst lässt  diese Denkfigur eines gütigen Gottes, der alles in Gang setzt -Uhrmacher  der Welt- , sich übertragen generell auf dieses uns besonders interessierende „Geschöpf“ - MENSCH (homo sapiens sapiens): wenn ein so gedachter Gott die Menschen Erfindungen machen lässt, dann wird die Gottheit der Menschheit auch Wege eröffnen, damit vernünftig umzugehen!
Wir werden sehen, dass Hans Jonas diese fromme Ansicht nicht teilt.
EIN GEDANKENSPRUNG ans Meer -
Am milden Ende des Nachmittags, später, an der Wasserfront … , wo er auf die Fähre wartete, blickte er durch das grüne Dunkel auf das Netz heller Reflexe auf dem Grund. Er liebte es, über die Macht der Sonne, über das Licht und über den Ozean nachzudenken. Die Reinheit der Luft bewegte ihn. Schwärme von Fischen* schwammen in dem Wasser, das ohne Makel war
             Saul Bellow HERZOG (1961), dtv 2011, p. 136
Ruach Elohim al penee hamajim (Gottgeist schwebt über Wasser) ...Bei Bellow, der aus einer jüdischen Familie aus Sankt Petersburg stammt, geht der Text weiter: „Herzog“ - seine Titelfigur – seufzte und sagte sich: >Gelobt sei Gott - gelobt sei Gott<. Er konnte wieder freier atmen … tief gerührt vom offenen Horizont ...“
ZWEITER SPRUNG
Weiter sei zur Einstimmung vorweg in Erinnerung gerufen ein „Mythos“, die biblische Erzählung des Buchs Jona aus hellenistischer Zeit.
http://www.bibel-online.net/text/luther_1912/jona/1/

Ich habe Ihnen heute  auch meinen JONA(S)-Fisch mitgebracht

 DAS JONA(S)-Wortspiel:
             aus der Welt / in der Welt

 Ich kann „den Fisch-Teil“ der Skulptur anheben. Der Mensch und seine Technik zeichnen sich ab, bleiben aber in der Welt (am/im Bauch des Fisches, der die Welt veranschaulicht) .

Wenn aber der Mensch entnommen wird, bleibt nur eine (nach Jonas mangelhafte) Restwelt übrig:

Donnerstag, 6. September 2012

Kein Glück ? Mike Roth

 (Kaspar-Hauser-) Kontrastprogramm                                                                 „- wo kommt … die Vorstellung des Glücks selbst und seiner Realisierbarkeit eigentlich her? Vielleicht entstammt sie den KURZEN ZEITEN KINDLICHER GEBORGENHEIT … Vielleicht ist sie auch ein Täuschungsmechanismus, der Kindern von den Älteren >>eingebaut<< wird, damit sie mit dem Leben weitermachen … In Werner Herzogs Verfilmung der Geschichte des Kaspar Hauser1828ff , der erst spät als Jugendlicher in die Kultur der Menschen eintritt, … nimmt dieser sein >>Erscheinen auf dieser Welt<< als einen >>harten Sturz<< wahr. Vor seinem gewaltsamen Tod hat er eine Vision (=zeigt Herzog1974) „einen Berg … und viele Menschen, die sind auf den Berg aufgestiegen wie in einer Prozession. Da war viel Nebel. … konnte es nicht klar sehen. Und oben, da war der Tod.“ Hampe2009-173f

Hampe lässt seine Figur, den chilenischen Psychoanalytiker Antonio (4. Kapitel), wie folgt kommentieren: „Offenbar scheint Kaspar Hauser die Glücksvorstellungen, die uns vielleicht als Kindern als ein implizites Versprechen und eine Lebenslast (sic!) eingeimpft wird, nicht mehr in sich aufgenommen zu haben … Die Kultivierung, die er durchlaufen muss, indem er das Sprechen, ordentlich zu essen, das Klavierspiel u.a. lernt, erscheint ihm wie eine anstrengende kollektive Bergsteigerei … In Kaspars (Herzog1974) Vision findet die Kultivierung im Nebel statt, orientierungslos, es bleibt unklar, … wohin sie eigentlich führen soll, außer in den Tod... In seiner (in Herzog1974) letzten Vision scheint es, als sei für ihn die ganze Kultur nichts als ein Irrtum“ S. 175
Der Autor Hampe berichtet S. 281 in seinem Nachwort von Material für „nie fertiggestellte Skizzen für einen fiktiven philosophischen Dialog zwischen Gefangenen im nationalsozialistischen Deutschland über den Tod und das Glück vor ihrer Hinrichtung“, das er nun verwendet habe. In Antonios Meditation folgt der Bezug auf Freuds UNBEHAGEN IN DER KULTUR als >>vielleicht letzte(m) Traktat über das Glück<<.

Michael Hampe, DAS VOLLKOMMENE LEBEN
Vier Meditationen über das Glück , München 2009
Werner Herzog, JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE, 1974
Daumer/Feuerbach, KASPAR HAUSER …, Ffm 1995 (Quelle für die Filme)
Peter Sehr, Kaspar Hauser. DER MENSCH – DER MYTHOS – DAS VERBRECHEN, 1993
Jutta Schlich (ed.)DER MENSCH – DER MYTHOS – DAS VERBRECHEN, 1993 Jutta Schlich (hg), Das Kaspar-Hauser-Syndrom in Literatur – und Film, Forschung und Lehre, Würzburg 1999; darin: Vorwort (u. a. über Alexander Mitscherlichs Vorschlag 1950 den Freudschen Ödipus-Komplexes durch den Kaspar-Hauser-Komplex als Komplex des modernen Massenmenschen zu erweitern) und Vergleich der beiden Filme S.193-203 von Katharina Bollinger und Anja Steinbuch.

Die beiden von Herzog1974 dargestellten „Träume“ finden sich so nicht in dem Bericht des 28jhg. Gymnasialprofessors Daumer, der in Nürnberg noch Hegels Schüler war und in Erlangen Student von Schelling. Daumers Aufschriebe sind auch Hauptmaterial für den  Vater des Philosophen Ludwig Feuerbach, Anselm von Feuerbach, Präsident des königlich bayrischen Appelationsgerichts im fränkischen Ansbach. Daumer hatte den Findling durch Aufnahme in seinen Haushalt „aus dem Turm“ (Gefängnis) befreit und ihn ermuntert, einen Traum vom 2. April 1829 (knapp 1 Jahr nach seinem Auftauchen) niederzuschreiben. Daumer selbst fasst den Inhalt zeitnah wie folgt zusammen (S.249f ): >>Eine schöne männliche Gestalt mit weißem Gewande (HAUSER: „er hat ein weißes Tuch um den Leib hängend“) trat vor sein Bett und reichte ihm einen Kranz mit dem Bemerken, daß er in 14 Tagen sterben werde. H. sagte zurückweisend, er sei noch nicht lange auf der Welt und möge noch nicht sterben, worauf jener entgegnete, es sei umso besser, wenn er ohne lange gelebt zu haben, von der Welt scheide. Der Mann legte den Kranz auf einen Tisch. H. stand auf ihn zu nehmen, da begann dieser zu glänzen und wie er immer heller glänzte, sagte H.: ich will sterben und wachte bald nachher auf.<< Siehe auch : Claudia-Elfriede Oechel-Metzner, Arbeit am Mythos Kaspar Hauser, Ffm 2005, 229 Anm. 45

Herzog1974 löst sich in den Bildern und dem von Bruno S. gesprochenen Text der „Visionen“ von der Daumer/Feuerbachschen Quelle, folgend dem eigenwilligen Konzept EKSTATISCHER Wahrheit baut er eigene innere Materialien ein (und auch Material aus andern Filmen). Am deutlichsten in der eindrücklichen Geschichte, von der Werner Herzog im Interview (DVD) sagt: da ist eine Geschichte, von der ich aber nur den Anfang weiß. Sie bildet im Film Herzog1974 die „Vision von der Wüste“ (Drehbuch), mit deren Mitteilung Kaspar Hauser sich, (im  Film) für´s Zuhören dankend, verabschiedet. Filmisch ist das eine Parallele zur "Vision vom Berg" (s.o.).
Diese für HAMPE2009 zentrale Szene der „Kultivierung im Nebel“ ist übrigens eine Umdeutung der Massenpilgerschaft zu „Reek Sunday“ (Konnotation: Riech-Sonntag), auf „The Reek“, den meernahen Patricksberg bei Westport:

Der Croagh Patrick (irisch: Cruach Phádraig) ist ein 764 Meter hoher Berg im County Mayo im Westen der Republik Irland. Er hat auch den Beinamen The Reek.
Seit Hunderten von Jahren ist der Croagh Patrick zu Ehren des heiligen Patrick eine Wallfahrtsstätte. Im Jahr 441 stieg der Patron Irlands auf diesen Berg, fastete dort 40 Tage lang ...
Am sogenannten Reek Sunday, dem letzten Sonntag im Juli, steigen etwa 25.000 Pilger den Berg hinauf; viele tun dies barfuß(nach Wikipedia) - und kommen, wie man im Film sieht, auch wieder herunter.

Werner Herzog zeigt zunächst den Sprecher und illustriert dann die Traumerzählung mit einer Visualisierung, Steilstück des Berghangs, grobe scharfkantige Steine wie von einer keltischen Trockenmauer, absteigende und aufsteigende Menschen im Nebel. Kaspar Hauser spricht aus dem Off. Herzog vereinfacht in Kontrast zum Bild den Text zu: "viele Menschen, die sind auf den Berg aufgestiegen wie in einer Prozession. Da war viel Nebel." (Nach der kurzen Bergszene, wie auch nach der Wüstenszene, ein Schnitt - zurück zum Sprecher.)
In HAMPE2009 wird freilich nur der vom Filmemacher Herzog dem Hauptdarsteller in den Mund gelegte Text zitiert. Er spricht für die These "Das Glück ist unmöglich" . Dies ist aber freilich nur die halbe Kapitelüberschrift - und ein Teil des Bilds.
Legt man den Text  "auf die  philosophische Goldwaage" so bezieht sich HAMPE2009 nicht auf den immer noch rätselhaften historischen Kaspar H. (von dem ja auch keine Bergvision dokumentiert ist), sondern auf eine Verfilmung, die sich der "Geschichte des Kaspar Hauser" in künstlerischer Freiheit annimmt und gerade dadurch mehr als nur "eine alte Geschichte" zum Thema macht. Hier berühren sich Hampe/Antonio2009 und Herzog/Bruno S. - 1974. HAMPE2009, S. 175: "In Kaspars Vision findet die Kultivierung im Nebel statt, orientierungslos, es bleibt unklar, was mit ihr beabsichtigt ist, wohin sie eigentlich führen soll, außer in den Tod." Aber dies ist eben eine Stimme im "philosophischen Kanon" (S.5)! - einer jam session.

Literatur
Ludwig Binswanger, Drei Formen mißglückten Daseins. Verstiegenheit, Verschrobenheit, Maniriertheit, Tübingen 1956
Daumer/Feuerbach, KASPAR HAUSER …, Ffm 1995 (Quelle für die Filme)
Michael Hampe, DAS VOLLKOMMENE LEBEN .
Vier Meditationen über das Glück , München 2009
Werner Herzog, JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE, 1974
Claudia-Elfriede Oechel-Metzner, Arbeit am Mythos Kaspar Hauser, Ffm 2005
Roth / Staude (hg.), Das OrientierungsLos. Philosophische Praxis unterwegs. Philosophische Praxis 1. Taschenbuch Konstanz 2010
Peter Sloterdijk, Gottes Eifer. Vom Kampf der drei Monotheismen, Frankfurt am Main / Leipzig 2007
Peter Sloterdijk, Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik. Frankfurt am Main 2009; dazu: Volkbert M. Roth (hg.), Leben ändern? - WIR ÜBEN. PhilosophischePraxis 2.2, Konstanz 2011
Jutta Schlich (hg), Das Kaspar-Hauser-Syndrom in Literatur – und Film, Forschung und Lehre, Würzburg 1999. darin: Vorwort (u. a. über Alexander Mitscherlichs Vorschlag 1950 den Freudschen Ödipus-Komplexes durch den Kaspar-Hauser-Komplex als Komplex des modernen Massenmenschen zu erweitern) und Vergleich der beiden Filme S.193-203 von Katharina Bollinger und Anja Steinbuch.
Peter Sehr, Kaspar Hauser. DER MENSCH – DER MYTHOS – DAS VERBRECHEN, 1993



Dienstag, 4. September 2012

WISSENsGLÜCK Mike Roth

NICHTWISSEN & WISSENsGlück


Seid Froh! CHAIRETE philosophoi! Unsere Philanette will uns sicher nur Gutes tun, indem sich mich engagierte; hier in der Rolle quasi eines UMGEKEHRTEN SOKRATES aufzutreten:
DENN WER KÖNNTE DENN NICHT-Wissend  vortragen über    
   W I S S E N   ?

  Es könnte mir also leicht passieren, dass eine/r von Euch mir bald den Sokratischen Spiegel vorhält! Tapfer will ich beginnen ...

DAS PROJEKT: Miteinander Sprechen um zu Wissen

Im Jahr 2011 erschien Michael Hampe´s  TUNGUSKA  (oder das Ende der Natur) und darin wird aus Platon´s PHAIDROS eine Schlüsselstelle zitiert.


Φ : (zeigt Sokrates einen locus amoenus, mit einem eindrucksvollen Baum an einem damals lieblich durch Felder sich schlängelnden Bache  unweit der Stadt Athen) – wie kommt es, dass Du, o Sokrates so wenig hierher heraus gekommen bist?

Σ :  Ich bin eben lernbegierig, und Felder und Bäume  wollen mich nichts lehren, wohl aber die Leute in der Stadt !
Es sind die Menschen, die miteinander sprechen. Wie aber geht „Sprechen mit dem Ziel zu Wissen zu gelangen“, Sprechen in philosophisch-wissenschaftlicher Absicht der begründeten Antwort auf Fragen?  Die antike Formel lautet: „Λόγον διδόναι“ - verständig Rede und Antwort geben können. Hier soll weder aneinander – PERSONENBEZUG - noch am „Gegenstand“ - SACHBEZUG – vorbeigeredet werden. Wie kann das gelingen? Durch Einführen der Wortbedeutungen in Spracheinführungs­hand­lungen. Platon lässt schon Sokrates sich nach der Verwendung der Wörter bei seinen Gesprächspartnern erkundigen. Sehr viel später wird Wittgenstein einwerfen: Maybe you made the mistake of denying what he said? – nämlich: ohne zuerst zu versuchen herauszufinden, wie die dabei verwendeten Wörter denn zu verstehen sind (so möchte ich ergänzen).

Das Ziel philosophischer Gespräche wurde oft als Erreichen von Übereinstimmung (Homologie – übereinstimmende Rede) umrissen. Dies scheint verbunden mit „geteiltem Wissen“ - , wenn man eine „gemeinsame Sprache“ gefunden hat. In jüngerer und jüngster Zeit wurde aber gerade , wenn es um Lebensfragen geht, ein als „Vielstimmigkeit“ angelegter Gegenentwurf - der Einstimmigkeit als  Ziel entgegengesetzt. Vgl. hierzu etwa Hampes 4 Meditationen über das Glück (2009 DAS VOLLKOMMENE LEBEN) und seine Metaüberlegungen dazu.

Hampe attackiert aber „postmoderne“ Attitüden der Leugnung der Möglichkeit von Wissen überhaupt.  Hierzu ein ausführliches eigenes Beispiel: Wenn man die „natürlichen Zahlen“ einführt mit einem Zählkalkül nach Lorenzen
                => /
             n => n/
ergeben sich ja die Zählzeichen /, //, ///,  „und so weiter“ … Diese Zählzeichen sind Schreibzeichen. Und wir lernen in den meisten Kulturen, sie mit gesprochenen Zählwörtern zu verbinden und sagen dann (wie hier schon beim Lesen) : mach einen Zählstrich, dann füge einen an. Verwende dies zur protomathematischen Rekonstruktion unserer Fähigkeit zu zählen. Du erhältst diese Reihe:
eins , zwei, drei,... „und so weiter“ im deutschen Gedicht der Abzählwörter
one, two, three, ... „and so on“ im englischen Gedicht der Abzählwörter -
und wir lernen diese Gedichte auswendig.
Macht jemand in einer uns bisher unbekannten Sprache beim Handlungsspiel des Abzählens mit, dann können wir die gesprochenen und/oder geschriebenen Abzählwörter den im Herstellungskalkül „natürlicher Zahlen“ entstehenden Zählzeichen zuordnen und uns  so verständigen – trotz unterschiedlicher „natürlicher Sprache“. Und wir können nicht nur sicher zählen, wir können auch über Gleich und Ungleich, Weniger und Mehr, Früher und Später, Endlichkeit und Unendlichkeit philosophieren. Wer Zählen kann (know how) und wer auch Zählen (wie gerade rekonstruiert) versteht (know why) kann darauf aufbauend im WISSEN vorankommen. Zählen ist  eine der Voraussetzungen des gradierenden Vorgehens bei Messungen und Herstellungshandlungen, aber auch bei manchen Geboten (Steuern) und Verboten (Geschwindigkeitsbegrenzungen).


Hier lassen sich die für das Argumentieren wichtigen „logischen Operatoren“ ALL-Quantor, EXISTENZ-Quantor (es gibt …) und dessen Negation (kein)  in einem geregelten Dialog illustrieren.
Ein Proponent stellt eine logisch zusammengesetzte Behauptung auf und ein Opponent bemüht sich, sie zu widerlegen.  Beispiel Existenzquantor:
    Proponent: Es gibt eine größte Zahl.
    Opponent: Zu jeder im Zählkalkül hergestellten Zahl n konstruiert man im nächsten Schritt n /, die um Eins größere Zahl. Also gibt es  keine größte.

Die Widerlegung von Allsätzen erfolgt durch Gegenbeispiele.
    Proponent: Zu jeder Zahl n gibt es eine nächstgrößere.
          Und der Opponent kann nur nicken angesichts der     Regel : n => n /
denn auf jede Zahl, die  als Gegenbeispiel angeführt wird, lässt sich diese     Regel anwenden. Der Proponent hat in diesem Fall also eine leicht nachvollziehbare Gewinnstrategie.

Die formale Logik (früher auch „mathematische Logik“ genannt) untersucht die logisch  zusammengesetzten Aussagen, die schon aufgrund ihrer Form zu sicherem Wissen führen. Neben den Quantoren treten auch die „Junktoren“ auf:
Alle Menschen sind sterblich UND Sokrates ist ein Mensch.
-Daraus folgt logisch:  ?

ELENCHOS: In der Darstellung durch seinen Schüler PLATON in dialogischen Vorlese-Stücken folgen Sokrates und seine Mitspieler einem Muster, dem ELENCHOS (argumentierender Nachweis), einer frühen Form dialogischer Logik. Dieses halbformale Verfahren führt  nicht zum Wahrheitsbeweis, vielmehr zur Widerlegung des grundlos für wahr Gehaltenen.
  Trifft (vielleicht) ... die Aussage Xenophons zu, dass Sokrates die Gesprächsführung auf die jeweiligen Gesprächspartner abstimmte, im Falle (gutbezahlter) Sophisten also auf  Widerlegung ihres vorgeblichen Wissens … , im Falle seines alten Freundes  Kriton  aber auf ernsthafte Wahrheitssuche ?
 In der Überlieferung Platons leitet der Gang der Untersuchung oft nicht in gerader Linie von der Widerlegung vorgefasster Meinungen über zu einem neuen Wissenshorizont. In Platons Dialog Theaitetos werden beispielsweise drei Auffassungen von Wissen besprochen, ohne eine übereinstimmende Bewertung zu erzielen. Mitunter sind es nicht nur die Gesprächspartner, die in Ratlosigkeit verfallen, sondern, weil er selbst keine abschließende Lösung anzubieten hat, auch Sokrates. So zeigt sich nicht selten „Verwirrtsein, Schwanken, Staunen, Aporie, Abbruch des Gesprächs“  wiki/Sokrates

Es gelang Ludwig Wittgenstein (zeitgleich mit anderen Logikern) im Tractatus logico-philosophicus durch seine „Wahrheitstafeln“ eine vollständige Übersicht über die möglichen junktorenlogischen Verbindungen von Aussagen.
In dieser kombinatorischen Zusammenstellung treten nur die beiden Wahrheitswerte w und f (für  wahr und falsch) auf.
(In späteren mathematischen Weiterentwicklungen zur „mehrwertigen Logik“ wird daher gern vom Sonderfall der „zweiwertigen Logik“ gesprochen. Dieser zweiwertigen Logik gaben Lorenzen, Lorenz und andere ein dialoglogisches Fundament und zeichneten sie dadurch für die philosophische Bemühung um die Wahrheit aus.)



Von den Zahlen und der Logik zu den geometrischen Figuren und zur EINSICHT. In Platons Dialog MENON wird danach gefragt, ob sich der Flächeninhalt eines Quadrats verdoppeln lässt. Bitte versuchen sie es. (Zettel mit einer Rechenkästchen-Linierung werden verteilt)

Ich warte … Wollen Sie sich mit Ihren Nachbarn austauschen?
Gibt es eine Hilfslinie, die weiterhelfen würde?

Hier kann man die schlagartige EINSICHT erleben!

Auflösung
Zwischenergebnis: es ergab sich in einem ersten Schritt die halbe Fläche und zwar nicht in einem Quadrat, sondern in einem gleichschenkligen (und rechtwinkligen) Dreieck. Zwei dieser Dreiecke ergeben das Ausgangsquadrat. Anders zusammengesetzt ergibt sich aber wieder ein gleichschenkliges Dreieck, nur doppelt so groß. Und zwei solcher Dreiecke (=4 Ausgangsdreiecke) sind also die Lösung! Auch hier spielt das Zählen, (sowie: das Teilen und das Zusammenfügen) eine Rolle. Aber auch das Springen von einer Form (Viereck) zu einer darin enthaltenen anderen Form (Dreieck) und zurück zum quadratischen Viereck.
Dies SIEHT man lange nicht. Dann aber kommt historisch – vielleicht ausgehend von der Neuzuteilung des durch den Nil überfluteten fruchtbaren Ackerlands – die geo (Erde) metrische EINSICHT.

Es lässt Platon im Dialog „Menon“ den Sokrates die Lösung aus einem nie in Geometrie unterrichteten kleinen Jungen herausfragen. Ein -abschreckendes- Beispiel für´s Philosophieren mit Kindern?
Ausgangspunkt im MENON ist aber die Frage des frisch nach Athen gekommenen jungen Mannes, ob Tugend lehrbar sei. Reformuliert: gibt es begründbare Sätze der praktischen Philosophie? Beruht   glückendes gutes Leben auf einem Können, das sich wie Handwerkskunst lernen und dann ausüben lässt?

Von Wittgensteins Gedankenexperimenten angeregt benutzen wir die fiktionale Kraft der Sprache zur Beschreibung einer vereinfachten Welt. In ihr werden nur
HÄNDELN 
FÜSSELN
MÜNDELN
SCHLAFELN
unterschieden.  Diese übersichtliche Welt ist also anfangs nur viergeteilt, die Anlehnung an die deutsche Muttersprache dient mir hier zur Abkürzung, die leichte Abweichung in der Lautgestalt soll uns daran erinnern, dass wir es mit noch ungegliederten „Vor-handlungen“ zu tun haben. In der deutschen Gegenwartsprache ist die Gliederung „der Welt“ freilich viel feiner. Kürzlich  hielt Bernhard Josef Sylla einen Gastvortrag an der Konstanzer Uni zu  Wilhelm v. Humboldts 4 Bestimmungen von Sprache, auf den ich mich an dieser Stelle gerne beziehe, denn das Geflecht dieser Humboldtschen Bestimmungen wirft auch ein Licht auf das Vorgehen in der konstruktivistischen Behandlung unseres Themas, der Bemühung: Sprechen-um zu-Wissen. (Diskussion)
Jürgen Mittelstraß hat die sprachphilosophische Wende (linguistic turn) der neueren Philosophie und das „Retten der Phänomene“, beginnend schon in der klassisch griechischen Aufklärung, in Beziehung gesetzt. Er hat aber insbesondere auch das Know-how der neuzeitlichen Werkstätten als ein wichtiges Element zur Entstehung der empirischen Einzelwissenschaften aufgewiesen.Übrigens: Schon Karl Marx zitierte 1867 im KAPITAL den Renaisance-Denker Vico:  „wir verstehen nur, was wir selbst gemacht haben“ ; dies steht in einem Spannungsverhältnis zu:  „sie wissen es nicht, aber sie tun es“, womit Marx die gegenwärtig globale „indirekte Vergesellschaftung“ kommentiert.  Darauf komme ich einandermal  zu sprechen.
Kuno Lorenz  reflektiert, wie wir uns zurückdenkend an unsere Handlungen fundamentale sprachliche Unterscheidungen rekonstruieren können. Sprache hat ja praktische, soziale und auf Wissen bezogene , „epistemische“ Aspekte.



Dieser doctor subtilis der Erlanger Schule, Kuno Lorenz, fasst das >Erleiden< in dialogischen Elementarsituationen als eine dialogische Rolle, nämlich die Rolle des jeweils gerade Nicht-Tätigen und nimmt dabei Bezug auf die „beiden grundlegenden Kategorien ποιεῖν (poiein=tun) und πασχεῖν (pas-chein=erleiden) des Aristoteles, DIALOGISCHER KONSTRUKTIVISMUS (DK) 31. (Der Ausdruck >Elementarsituation< ist analoge Bildung zu >Elementaraussage<, womit der methodische Aufbau bei Kamlah/Lorenzen beginnt.) In DK heißt es dann weiter: „die dialogische Elementarsituation ist der an einem Wittgensteinschen Sprachspiel in stilisierter Form herauspräparierte Handlungsanteil, ein >Handlungsspiel<, werden doch von Wittgenstein nichtsprachliche Handlungskompetenzen nur zusammen mit Sprachhandlungskompetenzen mithilfe von Sprachspielen >gemessen<. Aber nicht nur Personen, auch alle weiteren, in der Beschreibung nicht ausdrücklich auftretenden Situationsbestandteile, z.B. das Wasser beim Schwimmen, die Orte beim Bausteinebringen … gehören nicht … zur dialogischen Elementarsituation“, sind „abgeblendet“. „Eine dialogische Elementarsituation liefert einen erleuchteten >Vordergrund< vor einem noch dunklen >Hintergrund<. Das durch eine dialogische Elementarsituation im ständigen Rollenwechsel von aktivem Tun und passivem Erleiden erzeugte Können kann sowohl als Ausbilden einer Handlungskompetenz bezeichnet werden … als auch als Gewinnen einer Handlungssituation: Schwimmhandlungen und Schwimmsituationen..., also >Lebensform< und >Lebensraum< sind noch ununterscheidbar.“ (Kuno Lorenz macht auf diesen Zwischenstand im work in progress aufmerksam, indem er hier von „Prähandlungen“ spricht. Um von „Handlungen“ reden zu können bedarf es der Aufhellung auch des hier noch dunklen Hintergrunds.) DK 31f , in: WIR ÜBEN p.26


Wissen ist ein Können. Wissend kann ich Fragen nach dem Weg zu meinem Wissen zutreffend beantworten.

Der Sohn und zunächst Nachfolger eines Handwerkers, Sokrates, nahm das praktische Herstellungswissen der freien Handwerksmeister seiner Zeit zum Urbild des Wissens. Wer ein Handwerk kann, kann davon einen tätigen Beweis geben, das gelungene Werk. Und sie oder er können, was sie können, lehren. (Diese Argumentation ist verwandt mit dem Zusammenhang von Ergon/έργον   und   Energeia/ενέργεια   in der Sprachphilosophie Wilhelm von Humboldts. / Sprachgemeinschaft)

Der neuzeitliche Übergang zu kapitalistischer PRODUKTION trennt das subjektive Wissen ab von der unmittelbaren Anwesenheit der Wissenden. Unmittelbar anwesend ist im industriellen Arbeitsprozess „die Maschinerie“  - mit Arbeitsplätzen für maschinenbedienende Industriearbeiter, die selber in vielen Fällen nur noch ein durch kurze Einweisung erhaltenes know-how brauchen. (Der direkte Maschinenkontakt ist übrigens in Deutschland an ausreichende Sprachkenntnis gebunden, damit die vorschriftsmäßig anzubringenden Arbeits-sicherheitsbestimmungen verstanden werden.)
Wissen wird zu Technik objektiviert, in der technischen Ausstattung des modernen Alltagslebens nimmt es Gestalt an als „objektiver Geist“ (gewöhnlich wird dieser Ausdruck für Institutionen und Kunstwerke gebraucht). So leben wir nicht nur in Sprachgemeinschaften, sondern die „globale Wohngemeinschaft“ (Sloterdijk 2009,    ) ist als Technikgemeinschaft Wissens- und Nichtwissens­gemeinschaft. Das epochale Wissen ist in der global sich ausbreitenden Technik objektives Skelett unserer Bewegung (Fortschritt) und das Nicht-Wissen (know whatelse bezüglich Technikfolgen) stellt unsre zunehmende Gefährdung im „Haus des Seins“ (Nietzsche/Heidegger) dar.


Gewusst oder nur noch nicht falsifiziert?
Wohlrapp versus Popper
Die philosophische Wissens- oder Wissenschaftstheorie mag angesichts dessen vielleicht als nicht ganz zeitgemäß erscheinen?
Es gibt ja die scherzende Ansicht, dass es keine Gesunden gibt, sondern nur: noch nicht hinreichend Untersuchte und Kranke. Entsprechend die nur Falsifizierung gelten lassende Ansicht.
Hier verweise ich  zur ausführlichen Auseinandersetzung mit dieser –auch in den Reihen von philopraxis- populären Ansicht auf Arbeiten von Harald Wohlrapp.


In Erinnerung ist mir vom Beginn meiner Erlanger Zeit  der Gesprächszirkel LOGIK & GRAMMATIK (1965), der mich zu meiner Diss „EINIGE LOGISCHE STRUKTUREN DEUTSCHER GEGENWARTSSPRACHE. Zur Verwendung der Prädikation beim BERATEN“ anregen sollte. (Es blieb dies ein volkssprachbezogener Seitenast  in der „Erlanger Schule“) Mein Gedanke dabei war, ob nicht die Zugehörigkeit zur deutschen Sprachgemeinschaft schon Kenntnis (know how) logisch begründbaren Vorgehens einschließe, was BEIM BERATEN in der Öffentlichkeit wirksam werden kann. Man sagte mir am Schreibtisch manchmal Bescheid, wenn eine Diskussionsleitung bei einer der damals häufigen Vollversammlungen gebraucht wurde und da konnte ich, wenn die Versammelten mich wählten, die gerade bei Lorenzen gelernten Unterscheidungen öffentlich  einsetzen: was nicht mit überzeugenden Gründen verlangt oder verboten werden kann, ist freizustellen. Dies Motto verband sich gut mit dem bewegten und bewegenden Zeitgeist von ´68 !
Von der Sprachphilosophie zur Sozialphilosophie
oder: einen Text verstehen wollen  / Neue Marx-Lektüre
Gegen Ende meiner Universitätsausbildung durch die (leicht verspätete) süddeutsche „Studentenbewegung“ neugierig geworden, konzentrierte ich mich erst als junger Dozent  an der Reformuniversität Konstanz auf die Mikrolektüre der 3 Bände KAPITAL (aber siehe: Glaser)           – in der Annahme, dass sich hier der systematische Kern „kritischer Theorie“ zeigen müsste, wenn es einen solchen gab.
Die dialogische „Prozedur, welcher sich das natürliche Bewusstsein bei dem Eintritt in das spekulative Denken unterwirft“ (Glaser nimmt Hegels Redeweise auf) lässt sich kurz so summieren:
1. „Das spekulative (systematische) Denken mutet an keiner Stelle dem natürlichen Bewusstsein (Alltagsverständnis) zu, sich aufzugeben. Vielmehr baut es auf diesem in einer eigentümlichen Art auf und überführt es in etwas, was immer noch es selbst und zugleich nicht mehr es selbst ist.“
2. Das „natürliche Bewusstsein“ darf „auf seinen sämtlichen Erfahrungen beharren – unter der Voraussetzung, dass es die Geltendmachung seiner Erfahrungen dem Anspruch des spekulativen Denkens unterwirft, sich von diesem den systematischen Ort vorschreiben lässt, an dem es jeweils mit seinen Erfahrungen argumentiert. ... es muss bereit sein, Einwände zurückzustellen, bis die systematische Theorie die Stelle erreicht hat, wo sie erörtert werden sollen.“
3. In der „Artikulation seiner Einwände ist am Anfang des systematischen Vorgehens das natürliche Bewusstsein“ unbeschränkt. „Der mit der Systematisierung der Erfahrungen“ – des Alltags – „einhergehende kategoriale Fortschritt grenzt dann die Möglichkeiten ein, wie das natürliche Bewusstsein“ –im Dialog mit dem systematischen Denken – „seine Erfahrungen einbringen kann.“
4. „Die Analyse endet dort, wo das natürliche Bewusstsein die Herkunft der in ihm herrschenden Kategorien aus den durch die systematische Analyse aufgedeckten ... Verhältnissen erkannt hat ... Damit hat sich das natürliche Bewusstsein im systematischen spekulativen Denken aufgehoben, ohne je seine Erfahrungen aufgegeben haben zu müssen.“ In der von Kuno Lorenz herausgegebenen Lorenzenfestschrift „Konstruktionen versus Positionen. Beiträge zur Diskussion um die konstruktivistische Wissenschaftstheorie“ (Berlin / N.Y. 1979) unter dem Titel „Das dialektische Denken und das natürliche Bewusstsein“ von Ivan Glaser veröffentlicht.
Ich hatte (auf dem Stuttgarter Hegel-Kongress 1975 „Ist systematische Philosophie möglich?“) die Frage aufgeworfen, ob nicht mit Habermas Starnberger „Rekonstruktion des Historischen Materialismus“ (durch sicherlich spannende neue Erkenntnis über die neolithisch/steinzeitliche „Revolutionierung“ mensch­licher Lebensverhältnisse) ein Weg eingeschlagen werde: MIT MARX AN MARX VORBEI, indem ich forderte, die synchrone  Theorie Histomat 1 (epochale Kapitalismus­analyse) von Histomat 2 (epochenübergreifende Entwicklung) zu unterscheiden. Glaser konnte an die Unterscheidung von unvereinbaren Bestandteilen anknüpfend zur These verschärfen: nur wegen der Breitenwirkung des „schwächeren Teils“ habe sich der Marxismus durchgesetzt. „Die große Autorität, die sich Marx und Engels in der Arbeiterbewegung erworben haben, beruht nicht darauf, dass sich Marx und Engels mit ihren eigentlichen wissenschaftlichen Werken durchgesetzt haben.“  (So Glaser)  „Sie haben sich vielmehr Autorität erworben, indem sie (mehr oder weniger willkürlich) Kompromisse mit dem herrschenden Bewusstsein dieser Bewegung eingegangen sind“ Ivan Glaser, Die historische Dimension der dialektischen Theorie. In: Mittelstraß/Riedel (Hg.), Vernünftiges Denken. Studien zur praktischen Philosophie und Wissenschaftstheorie. Wilhelm Kamlah zum Gedächtnis, Berlin-New York 1978, S. 300 .


Paul Lorenzens Wiederaufnahme des griechischen ΆΓΩΝ (Wettkampf) in der Konzeption einer dialogischen Logik und Hegels Eintreten für eine Versöhnung von spekulativem Denken und natürlichem Bewusstsein werden von Ivo Glaser so verbunden, dass darin die Möglichkeit eines dialogischen Selbstverständnisses für die formanalytische Rekonstruktion des Stoffs der systematischen Kapitalanalyse gesehen werden kann.  (Diese ist bisher ein Fragment, doch nach meiner Meinung immer noch Kern kritischer Sozialphilosophie unserer Epoche. Work in progress)
Die Übernahme von Glasers Fassung  des  sozialphilosophischen Dialogkonzepts lag (für mich) nahe angesichts des schon von Wittgenstein praktizierten Verfahrens der Spracheinführung ausgehend vom Alltagshandeln. Darüberhinaus erinnern die  umrissenen sozialphilosophischen „DialogREGELN“  an die Zusammen­arbeit von Proponent und Opponent in Dialogen, in denen die Gültigkeit von Aussagen, die logische Funktoren enthalten, geprüft wird.




HERMENEUTIK

Für Jürgen Habermas war nach der Debatte um REKONSTRUKTION http://marx101.blogspot.com/2009/05/iii-kapitalistisches-produzieren.html  die Marx-Rekon­struk­tion bald kein Thema mehr.

In der Neuen Marx-Lektüre ging sie aber weiter
 Es gibt keine Re-Vision ohne Meinungsstreit. Dabei ist neben „Revisionismus“ (für mir Nahestehende damals ein Abgrenzungs-Terminus) der komplementäre Befund des Dogmatismus in solchem Streiten naheliegend. Und natürlich verstand sich unser ungebundener „Montagskreis“ als undogmatisch. Im Bemühen um das Verstehen eines uns wichtigen Textes fragten wir uns selbst und gegenseitig: ist dies ein >Weg zum Kern< oder ein >Weg vorbei< an noch fortdauernd gültiger, rekonstruierbarer Einsicht? Manchmal halfen Debatten weiter. Manchmal Archive. (Reisen mit Glaser ) Manchmal gibt es Entdeckungen in der Einsamkeit und Freiheit des Selberdenkens – ausgehend von Bekanntem und doch darin plötzlich Neues sehend.
Ich komme zum Ende
Nach der Klarheit im Umgang mit dem Zählen, der Klarheit dialogischer Logik und dem platonischen Erlebnis der EINSICHT in der Geometrie haben wir uns der gewöhnlichen Arbeit von Philosophen genähert, nämlich: Texte der Philosophen  verstehen zu wollen.  Und offenbar  gibt es bei diesen inhaltlichen Fragen  lange Zeit unterschiedliche Meinungen. Wir haben es mit Projekten, mit Systemfragmenten zu tun. Wir wissen, dass erst die gelungene Darstellung, das abgeschlossene System  - den Anspruch auf Wissen einlösen könnte. Wir befinden uns aber (meist?) von diesem Ziel entfernt.
Dialogisches Philosophieren hat Berührungsflächen mit systemischer Beratung. Der  orakelnd einprägsame Spruch des Sokrates:
        Ich weiß, dass ich nicht weiß
            oîda ouk eídōs

(Wörtlich übersetzt heißt der Spruch „ Nicht-Wissend weiß ich“ . „Das häufig ergänzte „-s“ an „nicht“ ist ein Übersetzungsfehler, da die Phrase „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ auf Altgriechisch οἶδα οὐδὲν εἰδώς (oída oudén eidós)[4] heißen würde“) Wikipedia: Ich weiß, daß ich nichts (!) weiß

tönt
                    frei übertragen als
    Nicht-wissend weiß ich (bald mehr)

 wie ein Mantra auf dem Weg zur Neutralität oder „Allparteilichkeit“. In der Rolle des Nicht-Wissenden ist ein Philosophischer Praktiker wie ein konstruktiv-systemischer  Berater  lösungsorientiert am Denken (der >episteme<) aller Beteiligten interessiert und seine/ihre Wissbegierde dafür modelliert/verändert die Haltungen auch im sich öffnenden System, etwa einer Familie. Wenn wir uns in einer bestimmten Angelegenheit, in der Begegnung mit anderen als (noch) Nicht-Wissende verstehen, sind wir besser dran, als wenn wir ein Wissen, das wir nicht haben, jedoch meinen zu haben (und daher 1. unsichere, möglicherweise fatale Schlüsse ziehen, dann 2. uns ungut verhalten – und  3. uns um Erwerb von Wissen nicht bemühen). In diesem Sinne ist der Philosophos jedem falschen Sophos überlegen.


Viel(erlei) Glück



Viel Glück !
Café Philo BERN  4.12. 2010  Mike Roth


 >>Die grosse Illusion vom kleinen Glück<< war Titel der Sendung REFLEXE von
DRS2 , am Montag dieser Woche (29.Nov)
Telefonieren macht offenbar glücklich, sagt dieses Plakat. (Keystone)

hieß es da.
Und ewig lockt die Werbung. Von Plakatwänden und in TV und Film, in Zeitungen, Zeitschriften und immer öfters im Internet. Der Philosoph  Hampe  (ETH) und der Werber von Matt bemühten sich die Funktionsweise der dauernden Konsumverlockung zu   ergründen.
Werbung macht Versprechungen, spielt mit unseren Sehnsüchten - und profitiert von der Vereinzelung der Menschen in einer kapitalistisch strukturierten Gesellschaft.
(so im Internetauftritt/www.drs.ch)

Nur als Querverweis: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung“ das ist der Beginn des KAPITAL von Karl Marx (1867)
 – aber das wäre ein  (lohnendes) Thema für sich.

In der Ausschreibung zu diesem Café Philo schrieben wir: „Glück?“ – „Arbeit!“  
(Wilhelm Schmid)
Philosophisches Café


  Die  zu diskutierenden Themen sind altehrwürdig & stets aktuell. Wer möchte nicht glücklich sein?
Was ist Glück für Sie?  Was verhindert Glück?
Können Sie bitte reihum Beispiele geben?
SINGT „Happiness is a warm gun“ und wendet sich … zu
(nach der Auspracherunde) Ich danke. Auch wenn Arthur Schopenhauer meint: Wenn man den Zustand eines Menschen seiner Glücklichkeit nach abschätzen will, soll man nicht fragen nach dem, was ihn vergnügt, sondern nach dem, was ihn betrübt.


 „Wie ist der Kontext?“ fragt die GlücksforscherIn.

Der Übergang vom Glück zum LebensSinn fällt ins Auge in der Gliederung von GLÜCK , Wilhelm Schmid 2007. Den Zusammenhang betonten auch Hampe (Philosophie) und von Matt (Werbung/“Kommunikation“) in der eingangs zitierten REFLEXE-Sendung: Die grosse Illusion vom kleinen Glück.

Anmerkung: ein  „kleines Glück für den Tag und ein kleines Glück für die Nacht“ legt Friedrich Nietzsche dem Publikum, das ZARTHUSTRA ansprechen wollte, in den Mund – auch dies ein Thema für ein andermal!
Siehe den Beitrag von Paul Bischof in: Leben ändern? Wir üben, Philosophische Praxis 2.2 (SinnPraxis@gmail.com) mit Bezug auf Sloterdijk 2009: Du mußt Dein Leben ändern

ZUFALL / zugefallen / Gefallen
Das Glück ist in diesem Aspekt kein durch (Lebens)Kunst Gemachtes (arte factum). Es ist eine Überraschung. „Fortuna“ - das personalisierte Zufallsglück- „kommt unverhofft“. Und eben dies ist ein Teil der Beglückung, die wir darüber empfinden.
Gleichwohl schätzen die rationalen Philosophen das „Fatum“ (Schicksal) und den Zufall als Entscheidungsinstanz nicht. „Heteronom“ (nicht nach eigenem Gesetz lebend) ist der vom Zufall regierte Mensch, der doch versuchen sollte, eine selbst verschuldete Unmündigkeit (Kant) so früh wie möglich „aufzuklären“ und nach begründeten eigenen Gesetzen (in Autonomie) zu leben.

Wohlgefallen /  Wohlfühlglück
Claudio Magris skizziert den Gedanken „sich der Macht der Circe zu unterwerfen, die kapriziös den Mann in ein Tier verwandelt, zum Reiten oder um ihn kuschen zu lassen, ... (und er zitiert Beschreibungen einer) Insel ..., auf der die Frauen die Männer nach Belieben leiten … Bittere und süße Knechtschaft des Eros, animalische Freiheit, die das Bett der Circe den Liebhabern zurückgibt; ins Meer eintauchen heißt ins Bett der Göttin steigen.“ (Welt , 204)

„Zeitlos“ glücklich
Im Glück  kann auch der Aspekt der sich dehnenden Zeit in Erscheinung treten: „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde“. Claudio Magris spricht von: „ganz und gar gegenwärtige(r) Hingabe an das Leben, das sich selbst genügt und sich nicht im Lauf nach (außerdem noch) zu erreichenden Zielen verbraucht, … vielmehr Glück ist, ohne Ziel und ohne Stachel, Ewigkeit und Selbstgenüg­samkeit des Augenblicks“ (Die Welt en gros und en detail, München, 2009 (3.Aufl.), S. 204)

MondenGlück: „flüchtiges Glück“
-das ist die  dunkle Seite des „Zufalls“Glücks: o fortuna, velut luna
(cresces et decre-e-ces) , Carmina Burana
„Fortune“ haben und „ihn hatte sein Glück verlassen“. Doch: Spiel zwischen quasi „externer“ und subjektiver Sicht, siehe das Märchen vom „Hans im Glück“.



Das GlücksRAD und das WasserMühlenRad /
         Rad als mehrdeutiges Symbol

„Spinning wheel“ / das sich drehende Rad:
„what comes up, must go down / spinning wheel turning round and round“
    1. das Rad als Symbol der unsteten Position
    (für jeden einzelnen Abschnitt des Kreises)
    2. das Rad als Symbol der Umsetzung in gleichmäßige Bewegung, die ohne menschliche Mühe nach menschlichem Plan „arbeitet“, menschliche Arbeit als Antriebskraft unterstützt oder sie bei bestimmten Arbeiten sogar ersetzt.
Das Mühlrad bewegte Denker seit der Antike zur poet­isch/philosophischen Schau:     verlässliches gemeinsames Glück. Natur und Wissen wirken in dieser „idealen Sicht“ zusammen und tragen bei zu glücklichem Leben.
    NEIL  dotAtelier :   Gewisse Arten von Arbeit machen glücklich. Du verlierst Dich drin. Das finde ich am Programmieren, wenn ich eine grosse Aufgabe habe. Dann entstehen ganz andere Gehirnwellen. Auch beim Zeichnen. 
distance

Neil Horne 2012: Bild vom erwachsenen Glück

Dann mehr entspannt und reflektiv. . . Siehe auch HAMPE2009: Jandl, Das Schöne Bild ... Gewisse andere Arten Arbeit gefallen mir gar nicht. Das Glück ist vorübergehend.
Die Hölle, das sind die Anderen.  Aber Glück ist auch mit Anderen. Es geht nicht nur um einen persönlichen Zustand, sondern wir können mit anderen Glück finden. >Ich bin glücklich<  heisst was über mich  umgebende Zustände, nämlich Menschen um mich. Das kann auch die Hölle sein, klar. (Manchmal opfern wir unser eigenes Glück für die Anderen.)
Einen Teilnehmer am café philo erinnerte das Rad an den Hamster im Laufrad … Neil: Das Bild, das ich Dir vorher hat geschickt habe, hat einige Eigenschaften, die dazu führen können, dass man Glück darin empfindet. Die Farben sind grün-blau. Das sind Entspannungsfarben. Da ist nichts Menschliches dargestellt. Keine Menschen, keine Produkte also keine Assoziationen mit  Dingen, die  Stressreaktionen hervorbringen...  Daher kannst DU dort vielleicht Glück sehen. Aber nur, wenn das Bild gelungen ist und wenn Du bereit bist, so etwas zu empfinden. email 2.9.2012

DAS GLÜCK DER FÜLLE
„Fülle des Lebens“, die ich anschaue und zu der ich JA! sagen kann. Ich erkenne, wie ups & downs, Höhepunkte und Tiefpunkte – gleichsam wie in der Kreisbewegung – zusammengehören. Hier hilft der Abstand. Und der sich im Nachhinein einstellende Gedanke, dass man dies und das doch überstanden hat. Hierzu gehört auch das Immer-wieder-Neuverfassen der eigenen Lebensgeschichte, aus Unheil und Nicht-Sinn wird eine Heilungsgeschichte mit einem je aktualisierten LebensSinn. Den scheinen Menschen, die Sinn machenden Wesen, zu brauchen, solange sie weiterleben wollen. Zum Sinn gehört auch der Widerstand gegen Unsinn und Tyrannei, wie schon die nordamerikanische Unabhängikeitserklärung mit Bezug auf das Erringen eines glücklichen Lebens formuliert:
Die erste deutsche Übersetzung der Unabhängigkeitserklärung veröffentlichte einen Tag nach ihrer Verabschiedung die deutschsprachige Zeitung Pennsylvanischer Staatsbote  am 5.7. 1776 in Philadelphia. Sie gab den Beginn folgendermaßen wieder:
„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden, worunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit sind.
                                                                                H a p p i n e s s
& Aufstand
4. Juli 1776                                     
 http://de.wikipedia.org/wiki/Unabhängigkeitserklärung_der_Vereinigten_Staaten#Die_Präambel                                                  
Die (nordamerikanische) Unabhängigkeitserklärung besteht aus drei Teilen, die eine logische Argumentationskette bilden. Im ersten und bekanntesten Abschnitt beschreibt sie, inspiriert von der Philosophie John Lockes, einen naturrechtlichen Rahmen, um generell zu klären, welche unveräußerlichen Menschenrechte das Individuum besitzt und wann ein Volk das Recht hat, eine alte durch eine neue Regierungsform zu ersetzen. Im zweiten Teil führt der Text konkrete Handlungen der britischen Krone an, mit denen diese die natürlichen Rechte der Kolonisten dauerhaft und schwerwiegend verletzt und durch die sie ihren Anspruch auf deren weiteren Gehorsam verwirkt habe. Der dritte Teil besteht aus der Schlussfolgerung, dass die Loslösung vom britischen Mutterland notwendig und vom Naturrecht legitimiert sei und die 13 Kolonien fortan das Recht beanspruchten, als unabhängige und souveräne Staaten zu handeln.
Die Präambel
Bis heute wirkmächtig ist die naturrechtliche Begründung in der Präambel, die auf eine kurze Einleitung folgt:
“We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. — That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed, — That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of the People to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying its foundation on such principles and organizing its powers in such form, as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness. Prudence, indeed, will dictate that Governments long established should not be changed for light and transient causes; and accordingly all experience hath shewn that mankind are more disposed to suffer, while evils are sufferable than to right themselves by abolishing the forms to which they are accustomed. But when a long train of abuses and usurpations, pursuing invariably the same Object evinces a design to reduce them under absolute Despotism, it is their right, it is their duty, to throw off such Government, and to provide new Guards for their future security.”        s e l a
                                
EIN SPRUNG ZURÜCK NACH EUROPA

In einem kleinen Ort am Kvarner/istrische Felsenküste südlich Rijeka, kommen die alten Männer morgens zusammen auf einen Schwatz, warten auf das frische Brot und scherzen. Letzte Nacht hatte es ein Gewitter und am Morgen war der Weg voll mit frischen roten Blüten. Ich kam, mein Auto wegzufahren. Da winkte mir Bepic, ihm zu folgen. Er blieb stehen vor zwei großen Hortensien, in deren ansehnliche hellgrüne Dolden  jeweils eine dieser roten Blüten gesteckt war.(LEBENsKUNST als aufgegriffnes GLÜCK)
Da kommt einem der Weimarer Schiller in den Sinn:
Der Mensch ist nur  ganz Mensch im Spiel.
Wilhelm Schmid, „Die Liebe neu erfinden. Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen“ ist  vor Kurzem (2010) erschienen.
Hierin geht 152 ff  der Autor zuerst der Frage nach: Sind Frauen die besseren Lebenskünstler? Um dann im Anschluss 168 ff  Die Kunst ein Mann zu sein
zum Thema zu machen. Darin findet sich 175 ff  eine Skizze einer Antwort auf die von ihm aufgeworfene Frage: Müssen Männer sich neu erfinden?
Unüberhörbar die Anspielung auf den Haupttitel „Die Liebe neu erfinden“.
Schmid  behauptet: „Denkbare Modifikationen des Mannseins betreffen … vor allem die Idee der  A r b e i t ,  den Dreh- und Angelpunkt  des männlichen Selbstverständnisses in moderner Zeit“ (175). Und im Folgenden unterscheidet er 7 Aspekte der Lebensarbeit:

1. Arbeit an sich selbst; was ist eigentlich Leben,
Liebe, Glück, Sinn?
2. Arbeit an Freundschaft
3. Familienarbeit
4. Bürgerarbeit
5. M u s s e  als  Arbeit
6. Arbeit am Sinn
7. Erwerbsarbeit

NEULICH     hatte Adrian Deplazes in Zürich zu einem „DenkMahl“ GLÜCK?-Arbeit! Nachbarn und Freunde geladen.  Ich endete:
Wie schön, dass wir mit einem DenkMahl gleich 4fach arbeiten können,- im Sinne von 1 – 2 – 5 & 6 !

NEU HIER ?


Montag, 3. September 2012










 Mütter , Kinder / PHILOSOPHIEren
Mütter zum Philosophieren mit ihren Kindern
Christine – Anja  - Maria – Lydia im Gespräch

Dass Kinder mit Fragen es Erwachsenen nicht immer leicht machen, dazu ein erinnertes Beispiel. Ein Großvater geht in der Osterzeit mit seinem Enkel durch die Stadt. Sie kommen an ein Schaufenster, in dem ein stehender großer Osterhase mit einem Korb auf dem Rücken zu sehen ist, aus dem bunte Ostereier ragen. Daneben ein ausgestopftes Huhn. Sie blicken in unterschiedliche Richtungen. Der Enkel fragt den Großvater: „Wo kriegt denn der Osterhase die Eier her?“
Der Großvater zeigt (nach meiner Erinnerung) auf das Huhn. Der Enkel: „Und in welcher Sprache spricht der Hase mit den Hühnern?“

Ich werde damals etwa 4 Jahre alt gewesen sein. Vielleicht war mein Großvater baff, jedenfalls ist mir das Philosophieren bis heute nicht ausgetrieben worden. Wie halten es nun philosophierende Mütter mit ihren Kindern? Bei einem Treffen in der Schweizerischen Dokumentationsstelle für Kinder- und Alltagsphilosophie
s´Käuzli im August 2012 gab es eine angeregte Diskussion, moderiert von Eva Zoller Morf ausgehend von einem input durch Christine Mok-Wendt,  an KANT:
„Wir wollen also vorerst das Prüfungsmerkmal der reinen Tugend an einem Beispiel zeigen, und indem wir uns vorstellen, daß es etwa einem zehnjährigen Knaben unter Beurteilung vorgelegt worden, sehen, ob er auch von selber, ohne durch den Lehrer dazu angewiesen zu sein, notwendig so urteilen müßte.“ (KPV, A277/278)
und SCHILLER anknüpfend:
„Doch ist schon die bloße Übung des Verstandes ein Hauptmoment bei dem Jugendunterricht, und im Denken selbst liegt in den meisten Fällen mehr als an dem Gedanken.“ ( Schiller aus Freese, S.145   ;     vgl. auch feigenblaetter.blogspot.com: Nachhaltig Philo­sophieren)

Der Herausgeber:  Ihr seid alle philosophische Mütter: Bitte stellt den Lesern kurz Eure Kinder vor !

Philosophiert Ihr mit Euren Kindern?

Lydia: Dies hier ist Hannah und sie ist heute 4 Monate alt. Um zu philosophieren ist sie also noch zu jung, es fehlt ihr die Sprache. Aber frage mich als Philosophin und Mutter: haben wir nicht eine besondere Verantwortung? Da wir um unseren Einfluss auf die geistige und soziale Entwicklung unseres Kindes wissen? Da wir unsere Verantwortung begreifen? Wie seht Ihr das, Eure Kinder sind ja schon älter.

Maria: Mein Bub ist erst 2 Jahre. Er beginnt gerade erst so richtig zu quatschen. „Philosophieren“ kann ich daher noch nicht mit ihm. Auf Deine Frage möchte ich antworten, dass ich als Mutter und Philosophin daran glaube, dass ich die Entwicklung meines Kindes bestmöglich beeinflussen kann, in dem ich mich selbst beobachte und auf mein Verhalten achte, an mir arbeite. Ich bin meinem Kind ein Vorbild. Gerade zurzeit merke ich das sehr deutlich: Noa wiederholt jedes Wort, das ich sage und versucht es zu verstehen. So detailliert habe ich mich mein Leben lang noch nicht geprüft.

Christine: Wenn ich hier Zitate von Philosophen („big P“ nach Jackson) hereinbringe als kognitive Anregungen, wie
ARISTOTELES, Nikomachische Ethik: „Es kommt also nicht wenig darauf an, ob man schon von Kindheit an so oder so gewöhnt wird; es hängt viel davon ab, ja sogar alles.“ - Bezug auf PLATON: „Daher müssen wir, wie Platon sagt, sofort von klein auf in bestimmter Weise erzogen werden, ...“
dann .... überlege ich mir im Nachhinein, ob ich in der Erziehung meiner Tochter (sie hat gerade ihr Abitur gemacht und wird in ein paar Wochen 18) alles richtig gemacht habe. Durch meine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Habitus und dem PMK, die ich in meiner BA-Arbeit versucht habe miteinander zu verknüpfen, stellte ich mir die Frage immer öfter. Das 'Ob' mit ja zu beantworten, wäre völlig vermessen, denn natürlich habe ich auch viele Fehler gemacht, aber eines habe ich glaube ich geschafft, sie durfte  in vielen Bereichen (Sport, Musik)  ihre eigenen Erfahrungen machen, und in diesem Sinn verstehe ich Aristoteles und Platons Erziehungsbegriff.
Anja: Ich bezweifle sehr, dass Kinder „Erziehung“ brauchen, um gesund und glücklich groß zu werden und ihren Platz in der Welt einzunehmen. Mit „Erziehung“ meine ich jetzt „irgendwohin leiten“, „an unsere Gesellschaft anpassen“ und „lenken“. Denn das würde heißen, dass eine gesunde Entwicklung nicht so oder so schon in uns Menschen angelegt ist. Um groß und stark zu werden bedarf es „nur“ einer tragfähigen primären Bindung und vertrauenswürdigen Bezugspersonen. Das heißt für mich nicht, dass diese nicht auch „nein“ sagen können, wenn es gefährlich für das Kind oder sein Umfeld oder ähnliches wird.
Lydia:  Dein Kind muss aber doch in unserer Gesellschaft leben, da muss es doch auch an sie angepasst werden! -um sich hier Orientieren zu können. Aber als Philosophin kannst du diese objektive Bestimmtheit deinem Kind vielleicht offenlegen. Ihm die Möglichkeit in die Hand legen, die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen es lebt, zu hinterfragen und zu kritisieren. Subjektive Bestimmung hinzufügen, indem du es autonom erziehst. Es also dahin leitest ein eigenständiger, selbstbestimmter Mensch zu werden. Die Frage bleibt, ob das dann noch „Erziehung“ ist, wie wir sie hier diskutieren?

Ich möchte außerdem kurz von einer Situation erzählen, die mir sehr Eindrücklich war: Als ich mit meiner Familie in einem Restaurant war, stieß mein kleiner Bruder (10 Jahre) ein volles Glas um. Wir alle lachten nur, es war nicht weiter schlimm. Sein Vater aber streichelte ihm über den Rücken und sagte ihm, dass das überhaupt kein Problem sei und er sich nicht dafür schämen musste. Denn das hatte er getan. Mir war das gar nicht so aufgefallen, doch in dem Moment fand ich diese Reaktion des ''Erziehungsberechtigten'' tief beeindruckend. So etwas passiert. Steh darüber wenn die Leute gucken, du hast nichts falsches getan. - Wieviel Schaden hätte es anrichten können, wenn ihn statt dessen eine Bezugsperson angekeift hätte, er solle besser aufpassen und sich benehmen?


Christine: [Und zum Thema: „Fehler machen“, finde ich, auch  Eltern dürfen  Fehler machen, auch mal ungerecht sein, wichtig ist, dass man auch darüber offen und ehrlich mit seinen Kindern den Dialog sucht, das heißt, in einer erklärenden Entschuldigung den Fehler eingesteht, dann können beide Seiten davon profitieren ...

Stimme in der Diskussion: man muss authentisch sein,das entspricht genau dem Ehrlich-miteinander -umgehen

Anja: Authentisch sein ist manchmal verdammt schwierig! Vor allem auch dann, wenn ich selbst viel Fachwissen über Erziehung im Kopf habe und diverse pädagogische Methoden, etc. z.B. aus meiner Arbeit kenne.
Ich habe selbst vier Kinder, drei Mädels und einen Jungen. Die großen beiden sind schon 18 und 15, die beiden kleinen 3 und knapp 1. Bei den größeren hatte ich viel genauere Vorstellungen, wie ich sie „erziehen“ möchte. Ich meinte zu wissen, wann es gut für ein Kind ist im Bett zu sein, dass eine bestimmte Form von Bildung wichtig sei und wollte auf gar keinen Fall eine überfürsorgliche Mama und Hausfrau vorleben. Meine Kinder sollten sehen, was ich alles nebenher auf die Reihe brachte – Job, Studium, Kinder „erziehen“.
Ich denke mir heute, dass Kinder wirklich „nur“ diese tragfähige (Vermittlungs-)Beziehung bzw. Bindung benötigen, die ja aber auch schon von der Zeugung weg da ist! (wenn nicht gerade ganz viel verkehrt läuft)
Ein Kind lernt ja auch von selbst laufen, dazu benötigt es keinen extra Laufwagen z.B.. Das ist schon in ihm angelegt.

Lydia: Schon Kleinkinder haben einen eigenen Willen und den sollte man achten!

Maria: An der Pädagogischen Hochschule des Thurgau in der Nachbarstadt von Konstanz, Kreuzlingen, kann ich ja das, was Eva Zoller mit dem Unterrichtsfach Kinderphilosophie begonnen hat, fortsetzen. Ich erziehe Erziehende , die sich an der Hochschule auf  die Berufstätigkeit in  Schulen vorbereiten. Daneben mache ich Weiterbildungsveranstaltungen für VolksschullehrerInnen  in Vorarlberg zum Thema: Philosophieren mit Kindern (PMK). Und ich praktiziere natürlich auch selbst  PMK in den Klassen, um den Lehrpersonen diese Methode erlebbar zu machen. Doch ich trenne das und  die Erziehung meines Sohnes ...

Christine: „Ich trenne PMK und die Erziehung meines Sohnes“ ist für mich eine sehr überraschende Aussage!

Maria: Ich habe das gesagt, weil die Situation eine andere ist, ob ich eine Gruppe von Kindern vor mir habe oder mein eigenes Kind. Bei meinem Sohn ist die Vorbildwirkung, wie oben erwähnt, viel stärker. Bei der Schulklasse arbeite ich auch viel mit Gruppendynamik. Eine Voraus-setzung für PMK ist nämlich der „intellectually safe place“, ein Ort, an dem ich gerne jeden Gedanken frei äußere und dieser von allen wohlwollend aufgenommen wird. Wobei … Vermutlich lebe ich PMK auch mit meinem Sohn, denn für mich ist es selbstverständlich, dass dieser Raum auch zuhause gegeben ist.

Christine: Lydia möchte ich sagen: bau  Dir nicht zuviel Druck auf: auch als Philosophin bist du im Zweifelsfall 'nur' Mutter, die eben auch nicht perfekt sein kann und muss!

Lydia: Danke dir. Aber ich habe auch nicht den Anspruch eine perfekte Mutter zu sein. Was ich meinte ist: Als Philosophen beschäftigen wir uns alle mit dem Geist des Menschen, seiner Natur, Entstehung und Begründung von Moral uvm. Und das alles bringt einen doch nun als Mutter in eine Position in der man große Macht über ein anderes Lebewesen hat, um diese weiß und sie hinterfragt. Ich meine wir haben doch (mit) den größten Einfluss darauf, wie ein Mensch wird. Wie er in dieser Welt wirkt. So will ich natürlich, dass Hannah moralisch verantwortungsbewusst handelt. Dass sie andere Menschen in ihrer Eigenwürde achtet, dass sie couragiert ist und so weiter. Ich will aber auch ihre Freiheit achten. Ich will sie nicht formen - und damit komme ich dann wohl deinem Begriff der Erziehung nah, Anja? -
Ich frage mich: (wie) kann ich Hannah unterstützen, kritisieren und dabei helfen ein glücklicher Mensch zu werden ohne in diese Form Erziehung zu geraten? Die Antwort lautet wohl: Philosophie als Methode!

Anja: Mit den Kindern philosophier´ ich am allerliebsten. Für Fragen, wo ich schon lange grüble und mir selbst der Kopf schon raucht, kommt zum Beispiel eine so einfache und doch so treffsichere Antwort, dass ich ganz baff bin.
Als ich an meiner Diplomarbeit* dran war und schon eine Weile grübelte, woran es liegen könnte, dass der Tod in der patriarchalen Philosophie einen viel höheren Stellenwert als die Geburt einnimmt, fragte ich meine Tochter (damals 15): „Was denkst du ist mächtiger: Leben nehmen oder Leben geben?“ Ich hatte keine Antwort darauf. – Sie: „Ist doch logo. Leben nehmen kann im Prinzip jeder. Leben geben nicht.“
Ronja (3) beschäftigt sich auch schon mit der Größe des Himmels. Es ist noch ganz einfach: Der Himmel reicht von links vom Ende der Berge nach rechts zum Ende der Berge. - Gleichwürdigkeit im Gespräch mit Kindern finde ich sehr wichtig.
Maria: Die Gleichwürdigkeit sollte aber nicht nur zuhause, sondern auch in der Schule gegeben sein. Ich finde das kurze Video zu Amber Makaiau´s Arbeit http://www.p4chawaii.org/teaching-tolerance-award ein sehr schönes Beispiel, welche Wirkung das regelmäßige Philosophieren in einer Schulklasse haben kann.

Und zum Aspekt „civilbeat“
http://www.civilbeat.com/articles/2012/04/14/15546-philosophy-for-children-promoting-peace-in-the-classroom/
Herausgeber: Das gemeinsame Philosophieren ist ein Gemeinschaftserlebnis  - und die „Werkzeugkiste“ (toolkit)** bietet Alternativen zur „Lösung“ von „Streitfragen“ durch Gewalt ?

Euch und Euren Kindern weiterhin: Viel Glück !


HINWEISE zum Philosophieren mit Kids (Kindern / Jugendlichen)
EPIKUR „Früh hatte E. zu philosophieren angefangen. Schon mit 13 Jahren fragte der scharfsinnige Knabe seinen Lehrer, als dieser ihm Hesiods Kosmogonie aus dem Chaos erläuterte: und wo kam das Chaos her ?“  (Kreibig S. 10)

Thomas Jackson http://streaming.uni-konstanz.de/talks-events/why-do-children-teachers-and-parents-love-to-do-philosophy/
Christine Mok-Wendt, Wozu Philosophieren mit Kindern? BA-Arbeit Philosophie, Universität Konstanz 2011
Leonard Nelson,
*Anja Ritter, Geburt und Natalität. Eine philosophische Betrachtung. Magisterarbeit. Institut für Philosophie, Universität Innsbruck 2011 (, worauf sich das Gespräch mit der Tochter bezieht)
**Siehe auch: Mike Roths Besprechung von IST PHILOSOPHIEREN MIT KINDERN PHILOSOPHIE? http://www.philopraxis.ch/wcms/ftp//p/philopraxis.ch/uploads/philopaidia.pdf Von Maria Eitzinger (Rüdisser) VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2008, ISBN: 978-3-639-01350-4

Neils mail aus Berlin: ... ich hatte eine positive Erfahrung mit 2 Kindern im Park letze Woche. Jemand hat einen Apfelbaum gepflanzt mit der Notiz "Ich bin neu hier. Wenn ich überleben soll, brauche ich Wasser" . Weil es heiss war, habe ich einige Mal die Gießkanne geholt. DAS GEFÄLLT MIR Ein Bub -vielleicht 3 Jahre alt- kam,  stand neben mir und fragte, was ich da mache.  Ich erklärte, dass das ein Baum ist und er braucht Wasser. Ich las vor, was da geschrieben war, dass der Baum "neu hier ist". Das hat er gut verstanden. Er war ja auch neu hier. AHA Da kam ein Mädchen. Wir unterhielten uns und ich habe mich gefreut. ( Interessant war: der Schreiber wusste, wie wichtig der Satz "ich bin neu hier"  war - um Sympathie zu erwecken in diesen Kindern. )

VIEL GLÜCK

 ISBN 978-3-00-039517-8  
erscheint im September 2012                           

       

                     für Kuno

                                                 
Vorwort                                                                              

Viel(erlei) Glück                                                                  

Bern Café philo 2011 (Roth)

Buddhismus/Existentialismus                                                   

Bern Café philo 2012 (Mastronardi)                                       

Drum prüfe

Philosophische Trauung (Mastronardi)                                   


Vom Gott der Philosophen zu einer

Aufgabe für Menschen                                                           

Bern Café philo 2011 (Roth)

Glückliche Zukunft ?                                                             

Bodensee PhiloTreff (Mok-Wendt)

Lebenskunst in Ost und West.
Zoran Djindjic und Wilhelm Schmid                                        

(k)eine Methode                                                                   
Podiumsdiskussion 2011 (Bernasconi/Fintz/Huber/Staude & Roth)
Wann glückt Philosophische Praxis ? Ein Hinweis       

 Mütter ,  Kinder / PHILOSOPHIEren                                  

Wobst, Rüdisser, Ritter, Mok-Wendt & Roth

Kein Glück?    Kaspar-Hauser                                               

Bodensee PhiloTreff (Roth) (Weißer)

WISSENsGlück

Sommertreffen philopraxis Radolfzell 2012 (Roth)                 



Vorwort des Herausgebers


Im Band 4 der Reihe Philosophische Praxis sind kurze Texte abgedruckt, die meist auf  Veranstaltungen im Rahmen des Netzwerks philopraxis (Mitglieder in Süddeutschland, Vorarlberg und der deutschsprachigen Schweiz) zurückgehen, insbesondere das CAFÉ PHILO  des Philosophenkomittees Mastronardi/Roth/Staude im Alten Schloss in Bern-Bümpliz , den philosophischen Teil einer zivilen TRAUUNG auf der Rousseau-Insel (Petersinsel) im Bieler See und auf das Sommertreffen Philosophierender PraktikerInnen 2012 organisiert von Anette Fintz für philopraxis.ch am Bodensee,  auch ein Seminartag im Käuzli Altikon (Eva Zoller Morf) und unsere SinnPraxis PhiloTreffen im Raum Konstanz. Der etwas längere Text „Glückliche Zukunft für Menschen?“ entstand im Anschluss an mein KompaktSeminar zu Hans Jonas und Hermann Scheer /Uni Konstanz, das Lydia anregte.

            Volkbert M. Roth     Insel Reichenau 2012

Sonntag, 3. Juni 2012

TRÄUMEN / KUNSTEN / PHILOSOPHIEREN





zum Motiv der LEITER/Himmelsleiter


Seit 2008 gebe ich die Reihe: Philosophische Praxis heraus, in der bisher 3 Bände erschienen (- und bald vielleicht ein 4. mit Beiträgen und Diskussion auf diesem Sommertreffen?) …

Zum Kunsten und der Himmelsleiter
Dazu schlage ich auf den Band 2 auf der Seite 30:
Seit etwa zehn Jahren säge und schmirgle ich unter dem Feigenbaum, in dem unser Haus steht, Figuren. Vorbeikommende fragen sich und (unwillkürlich) auch mich , ob das wohl Engel werden? Ich kenne Engel nicht, für mich sind es mehr oder weniger Ψ – förmige Figuren , die da häufig entstehen, und weil ich auch Engel für Figuren halte, sage ich: „Jo-a -“ Oft entsteht eine Denkpause. (Für mich ein wichtiger Moment)
Inzwischen sind viele Figuren entstanden - und unser Haus ist klein! Oft stelle ich die Figurinen horizontal, „nebeneinander“ -, es kommt aber auch vor, dass ich Baumstämme längsteile, so entstehen Leiterholmen und es ergibt sich die Gelegenheit jene „Engel“ wie die Sprossen einer Leiter aufsteigen (und aus anderer Perspektive) absteigen zu lassen.

Ich kombiniere Engelsleiter und Strickleiter und nähere mich so dem in Nietzsches ZARATHUSTRA vorkommenden Bild des Hochseils." Kunste ich noch, oder philosophiere ich schon?

Kollege SL veröffentlichte 2009: DU MUSST DEIN LEBEN ÄNDERN und da kommt auf Seite 200 auch eine Art Stufenleiter in des PhilosophenKünstlers Blick: „Die Sphäre der menschlichen Lebensvollzüge bildet die Mitte zwischen Welten-darunter und Welten-darüber.“ Das „DARUNTER“ sind wir ja gewohnt als das Anorganische und das nebenmenschlich Lebendige zu verstehen und technisch greifen wir darin ein. Und wie steht´s mit dem „DARÜBER“? Sie sind vielleicht überrascht zu hören: „Jede menschliche Operation … wird überspannt von einer Überwelt aus transzendenten Handlungen, deren Agenten die Engel sind.“ AT200
Dies ist eine Passage aus dem Abschnitt Jakobs Traum oder: Die Hierarchie. Dem geht p.198 die Formulierung voraus: „In die >andere Welt<, die geisthafte … ragt der Mensch hinein, insofern er sich mit natürlichen Mitteln an Mehr-als-Natürlichem versucht.“
Doch nun zum Orginal, zur Jakobsleiter!
SL hatte (Einleitung zum Buch) S.17 angekündigt, in seiner philosophischen Übungslehre Anthropotechnik anzuknüpfen an „jahrtausendealte Fäden … an frühe Manifestationen menschlichen Übungs- und Beseelungswissens“. Auf S. 199 ist es dann soweit, und SL zitiert aus dem „1. Buch“, 1.Moses/Bereschit, des Alten Testamentes (dem gemeinsamen Bibelteil der Juden und Christen) den Traum des flüchtigen Jakob - schlafend in ödem Gelände, ein Stein ist sein Kopfkissen: „Eine Leiter stand auf der Erde, ihre Spitze berührte den Himmel. Gottes Engel stiegen auf und nieder.“

(Diese Himmelsleiter würde uns vermutlich nicht weiter interessieren, ginge es nicht wie folgt weiter im Text:
Oben stand der Herr und sprach:>Ich bin der Herr, der Gott Abrahams und der Gott Isaaks; das Land auf dem du schläfst, will ich dir und deinen Nachkommen schenken ...“ AT 200) Dieses Land war freilich nicht "herrenlos" - schon damals, geht mir durch den Kopf.

SL aber kommentiert: „Von der Mächtigkeit der Leiter-Überlieferung zeugt die Tatsache, dass selbst Nietzsche noch unter ihrem Einfluss steht, wenn er Zarathustra zu seinen Freunden sagen lässt, er wolle ihnen >alle die Treppen des Übermenschen< zeigen.“(Prolog) AT202   Nietzsche gelinge die „Umwandlung der Engel in Artisten“ und wie Engel „als Boten Gottes ihren Dienst tun, so Artisten als Boten der Kunst“. Paradigmenwechsel: So überlebt „das mächtigste Vertikalsymbol der alten Welt die atheistische Krise“, nach der sich „oben nichts mehr findet, woran sie (die Himmelsleiter) sich anlehnen könnte“.

Und wird denn noch etwas „geschenkt“? Wer schenkt und wer wird beschenkt?

Sind Dialoge auch Leitern? Die Dialogpartner aufragende Holme, die zwischen ihnen ausgetauschten Fragen und Antworten Leitersprossen? Und wohin führt die Leiter ?

Barbara Zehnpfennig (Danke, Christine!) PLATON zur Einführung (1997) spricht wie folgt davon, was sich beim Auf- und Absteigen auf der Wissensleiter ereignen kann: in Platons Dialogen habe man oft den Eindruck, es bleibe die Sokratische Erkenntnissuche ergebnislos … von diesem Ergebnis enttäuscht sein muss aber nur der, der sich vom Dialog ein Wissen versprochen hatte … Am Wissen und seiner Prüfung vollzieht sich vielmehr Erkenne-Dich-Selbst. Das Wissen ist nur die Leiter , die zurückgelassen wird, wenn man auf ihr hinaufgestiegen ist.“
Stimmt das? - Fortsetzung folgt (morgen)

Uns allen: Gute Gespräche!



Himmelsleitern wohin man schaut

. . .
Der Himmel steht den Menschen auch im hier und jetzt offen, sogar eine goldene Leiter kann es sein, die scheinbar hinführt. Auch in Krisenzeiten ein schönes Symbol der (christlichen) Hoffnung auf mehr als das was auf Erden erlebt wird.
Bildquelle: GL_Nachtspiegelung_außen – Susan Feind
Stahlskulptur „Goldene Leiter” in Duisburg. Eine Arbeit von Brunner / Ritz.
Das dieses Thema auch in der zeitgenössischen Kunst ihren Widerhall finden kann, zeigt die Arbeit der “Goldenen Himmelsleiter” des Münchner Künstlerduos Johannes Brunner und Raimund Ritz. Sie haben eine handvergoldete, 65 Meter hohe und 32 Tonnen schwere, goldene Himmelsleiter entwickelt, die als Kunstambau-Projekt das neue ebenfalls gigantische Shoppingcenter “Forum Duisburg“, das im September 2008 eröffnet wurde, schmückt. Besser gesagt: kommentiert. Hoffnung, Jenseitshoffnung,Spiritualität und ganz konkreter materieller Nutzen finden sich hier zusammengestellt.
Wahrscheinlich von denInvestoren weniger so gesehen,kann die goldene Himmelsleiter allgemein und speziell in einer schwer vom Wandel gebeutelten Stadt wie Duisburg, Symbol für das Mehr an (künstlerischem) Inhalt in einer haltlosen, materiellen Zeit sein.










Der Philosophische Dialog

steht im Zentrum der Philosophischen Praxis


Detlef Staude berichtete und skizzierte seine Konzeption.
Siehe auch philopraxis.ch


Andere Beziehungen

die Einen

                                                 die ANDEREN BEZIEHUNGEN

ja die andren warn im Dunkeln ,  nur die Einen stehn im Licht
und wir sehn auf die im Licht stehn und die ANDERN sahn wir nicht ?

Glückwunsch dem Hochzeitspaar !  (Bern)

Leser dem AutorenPaar: Dominique Zimmermann (Basel) und Imre Hofmann (Zürich)
das Manuskript wurde gerade abgegeben und soll in diesem Jahr im Schmetterling-Verlag erscheinen.
Die AutorInnen lasen daraus in der LeseBucht vorab. Rege Diskussion!

Mike Roth für philopraxis.ch

Sommertreffen philopraxis.ch

Am 2. und 3. Juni fand in der LeseBucht / Höllturmpassage  - in der alten Stadtmauer Radolfzell
 das jährliche Sommertreffen des Netzwerks philopraxis.ch statt. Öffentliche Abendveranstaltung

GEDACHT  _ GETAN  _ GELESEN

am 2.6.

Dr. Anette Fintz / PD Dr. Roth / Mirjam Musica / Detlef Staude / Dominique Zimmermann & Imre Hofmann
 
Polyamorie – Nachdenken über andere Beziehungsformen
 Imre Hofmann / Dominique Zimmermann
Philosophie als Lebensform Mirjam Musica
Die Kunst der Beratung (oder „Scheitern als Anfang“) Anette Fintz
Im Quellgebiet des philosophischen Dialogs  Detlef Staude
Träumen, Kunsten und Philosophieren : HIMMELSLEITER  Mike Roth


aus Anlass des Sommertreffens 2012 von philopraxis.ch am Bodensee


                    öffentliche Abendveranstaltung