Freitag, 5. Juli 2024

Buchvorstellung im Literaturcafé WO ER IST (Herausgeber V.M.ROTH)

Am 5.7.24 die Vorstellung im gut besuchten Reichenauer Museumscafé
Die Moderatorin Dr. phil. Christine Mok-Wendt eröffnet pünktlich und weist darauf hin, dass die Zeit (wg. Fußball EM Deutschland-Spanien ab 18h) heute sehr begrenzt ist. Die 23jährige Nina Conzelmann beginnt
und schildert, warum aus ihrer Sicht die Beschäftigung mit Leben, Sterben und Tod schon frühzeitig im Leben sinnvoll ist. Sie hebt den Aspekt der selbstbestimmung stark hervor, der im Leben Junger und Alter ein wichtiges Thema ist.
ACH, EUCH HAB ICH NICHT VERLOREN: PFLANZEN - STEIN - LUFT - MEER ! Der Herausgeber flicht seinen Bericht der philosophischen Frühlingsreise nach Nordgriechenland als ein Band des Lebens (im Alter) ein.
Stephanie Bischofberger spricht anschaulich von ihrer Rezeption der "Kleinen Philosophie des guten Lebens" von Ottried Höffe (Hohe Kunst des Alterns) und Andrea Fehr skiziiert in knapper Zeit die Position von Svenja Flaßpöhler (PhiloMag) - siehe dazu im Buch 46ff - zu Freitod und Sterbegleitung. Sie verweist auch auf die differenzierende argumentation des Arztes und Philosophen Paul Bischof. Siehe dazu seine Magisterarbeit - verfasst auf der Reichenau - und publiziert als PHILOSOPHISCHE PRAXIS 3 , Hartung-Gorre Verlag Konstanz 2012.

Donnerstag, 26. November 2015

Ins Holz

DING & Zeug, WERK & Wahrheit? - in Heideggers Kunstwerktext







Holz lautet ein alter Name für Wald. Im Holz sind Wege, die meist jäh im Unbegangenen aufhören. Jeder verläuft gesondert, aber im selben Wald. Oft scheint es, als gleiche einer dem anderen. Doch es scheint nur so. Holzmacher …


WIKI  zu Martin Heidegger: Um Heideggers Denken nachzuvollziehen, bietet sich ein Mittelweg an: seine Sprache ernst nehmen und gleichzeitig vermeiden, bloß einen Jargon nachzusprechen. Heidegger selbst hat daher immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, seine Aussagen nicht „so [zu] verstehen wie das, was in der Zeitung steht.“[42] Seine Begriffe sollen stattdessen einen neuen Bereich aufschließen, indem sie auf immer schon Vorhandenes, aber stets Übersehenes hinweisen: Was sie formal anzeigen, soll letztlich jeder in der eigenen unmittelbaren Erfahrung finden können. „Der Bedeutungsgehalt dieser Begriffe meint und sagt nicht direkt das, worauf er sich bezieht, er gibt nur eine Anzeige, einen Hinweis darauf, dass der Verstehende von diesem Begriffszusammenhang aufgefordert ist, eine Verwandlung seiner selbst in das Dasein zu vollziehen.“[43]

Wege, nicht Werke          à unterwegs: siehe Roth/Staude (hg. für philopraxis.ch) 2008,Konstanz
                                                                Das OrientierungsLos. Philosophische Praxis unterwegs

An Heideggers Schriften fällt die eher geringe Anzahl großer und geschlossener Abhandlungen auf. Es finden sich stattdessen vor allem kleine Texte und Vorträge – eine Form, die ihm wohl geeigneter schien, sein Denken zu vermitteln, zumal sie sich einer Auslegung dieses Denkens als philosophischen Systems in den Weg stellt.
Dass … Denken und Philosophieren eine Bewegung vollzieht und dabei einen Weg zurücklegt, zeigt sich an Heideggertiteln  wie Wegmarken, Holzwege und Unterwegs zur Sprache. Denken wird so zum Weg und zur Bewegung, weshalb Otto Pöggeler auch vom Denkweg Heideggers spricht.[44] Heideggers Denken ist nicht so sehr als Kanon von Meinungen aufzufassen, sondern bietet verschiedene Ansätze zu den „wesentlichen Fragen“. In hinterlassenen Aufzeichnungen für ein nicht mehr fertig gewordenes Vorwort der Gesamtausgabe seiner Schriften notierte Heidegger daher: „Die Gesamtausgabe soll auf verschiedene Weise zeigen: ein Unterwegs im Wegfeld des sich wandelnden Fragens … Die Gesamtausgabe soll dadurch anleiten, die Frage aufzunehmen, mitzufragen und vor allem dann fragender zu fragen.“[45]

Ende des Zitats

Zu einem Mitfragen möchte ich hier einladen. Es entspricht dem, was in einem Café philo erreicht werden kann.


 
Das Schnitzwerk ist im HOLZ ?      (… durch seinen Umriss im griechischen Licht stehen … in … Ragen und Ruhen S.71 Zusatz)

Der Ursprung des Kunstwerks (1935/36) ist der erste Text der „Holzwege“. Gliederung: das Ding und das Werk/ das Werk und die Wahrheit/die Wahrheit und -  kommt jetzt vielleicht: das Philosophieren? , nein: die Kunst! 

Wieder aus WIKI:
Die Wahrheit und die Kunst

Die Frage nach der Kunst muss neu gestellt werden

Traditionelle Antworten darauf, was Kunst ist oder zu sein hat, finden sich in der Ästhetik als Kunsttheorie. Um ihren Gegenstand zu erläutern, wurden Begriffe wie „Sinnbild“, „Allegorie“, „Metapher“ und „Gleichnis“ geprägt. Dabei geht der Kunsttheoretiker von einer auf Platon zurückgehenden Trennung zwischen Materiellem und Geistigem aus: Das Kunstwerk ist materieller Träger einer geistigen Bedeutung, die über es selbst hinausweist. Die Trennung von Materiellem und Geistigem scheidet Heidegger zufolge metaphysisch das Sein in zwei Seinsbereiche, weshalb er die traditionelle Ästhetik als „metaphysische Kunstlehre“ bezeichnete.[119] Entsprechend seinem Vorhaben einer Verwindung der Metaphysik, strebte Heidegger eine „Überwindung der Ästhetik“ an.[120] Einen ersten, vorläufig gebliebenen Entwurf zu diesem Programm stellte Heidegger in einem 1935 gehaltenen Vortrag mit dem Titel Der Ursprung des Kunstwerkes vor.
 
Nicht Schönheit, sondern Wahrheit
Im Mittelpunkt des Heideggerschen Interesses am „Rätsel“ der Kunst steht nicht das auf der Antike beruhende Ideal der Ästhetik des Klassizismus, die Schönheit, sondern das Verhältnis von Kunst und Wahrheit. Kunst dient bei Heidegger nicht mehr dem Gefallen eines Betrachters, sondern durch sie findet ein Wahrheitsvollzug statt. Anders als der technische Zugang zur Welt, der durch ein pragmatisches und am Nutzen orientiertes Vorgehen gekennzeichnet ist, lässt sich das Kunstwerk nicht durch diese Kategorien erfassen. Da das Kunstwerk nicht zu einem bestimmten Zweck angefertigt wurde, nimmt es in der Welt eine Sonderstellung ein: Es kann nicht ‚benutzt‘ werden. (HIER WIRD VOM KUNSTMARKT ABGESEHEN – zu recht? VMR)

 Gerade durch diese Verweigerung zeige sich an ihm jedoch die Welt als Bedeutungsganzheit, in der die Gebrauchsgegenstände ihren Platz haben. Dieses Aufleuchten der Welt als Ganzes kann Heidegger zufolge das menschliche Verhältnis zur Welt ins Bewusstsein heben und ermöglicht so einen anderen Bezug zu ihr.

Es gibt zwei Lesarten der Arbeit zum Ursprung des Kunstwerks: Die eine deutet sie so, dass Heidegger lediglich im Rückblick auf vergangene Kunst die Stiftung einer Welt durch das Kunstwerk erläutere, die andere hingegen betont, dass für Heidegger in der Kunst auch das Stiften selbst als Akt erkennbar wird. Wichtig für den Fortgang seines Denkweges war in erster Linie, dass Heidegger selbst die stiftende Kraft der Kunst zumindest philosophisch einfing.

Große Kunstwerke, wie etwa die Dichtung Homers, können nach Heidegger die Kultur eines ganzen Volkes begründen. Hierin liege die geschichtsgründende Macht der Kunst: „[D]as Werk stellt eine Welt auf“. Nach Heidegger ist die Kunst ein „Werden und Geschehen der Wahrheit“, weil mit dem Kunstwerk eine Welt erschaffen oder ausgeleuchtet wird.[121] Er zweifelte allerdings daran, ob es noch möglich sei, „große Kunst“ mit verbindlichem Anspruch für eine ganze Kultur hervorzubringen.
 
Zurück zu Heideggers Text!
Der Text beginnt mit einem kurzen Einstieg zur Frage nach dem „Ursprung des Kunstwerks“.
„Ursprung bedeutet hier jenes, von woher und wodurch …(etwas) ist, was …(es) ist und wie … (es) ist.“ S. 1
Heidegger greift eine erste Bestimmung „nach der gewöhnlichen Vorstellung“ auf: Ursprung ist „die Tätigkeit des Künstlers“. Diese Tätigkeit habe ich 2008 >Kunsten< genannt. Darauf bezogen und zugleich abgehoben davon erhebt sich die naheliegende Frage: „Woher aber ist der Künstler das, was er ist?“ Und nun beantwortet Heidegger mit einem abgewandelten Zitat aus Schillers GLOCKE die Frage: „Durch das Werk; denn dass das Werk den Meister lobe, heißt: das Werk erst lässt den … (Kunstenden) als einen Meister der Kunst hervorgehen.“ Nicht erwähnt wird in diesem Zusammenhang, was später (mit Bezug auf die Konstanzer Schule, Jaus und Iser) mit >Rezeptionsästhetik< benannt werden wird. Aber siehe S.58 ff Heidegger zu den ein Kunstwerk Schaffenden und den es Bewahrenden.

 

Heidegger führt nun die eindrückliche rhetorische Figur der sich in den eigenen Schwanz beißenden Schlange vor: „Der Künstler ist der Ursprung des Werkes. Das Werk ist der Ursprung des Künstlers. Keines ist ohne das andere.“  Dies wird man wohl zugeben?
                                                                       (Frage ins Publikum)

UROBOROS (griechisch Οὐροβόρος „Selbstverzehrer“, wörtlich „Schwanzverzehrer“; von


 
In Heideggers Gedankengang folgt: „Künstler und Werk sind … durch die Kunst.“ S.1 Wenig später, übergehend auf S.2: „Wo und wie gibt es die Kunst?“ Und als Antwort: „Die Kunst west im Kunst-Werk.“ Dies kleine Wörtchen >west< ist einer der Spezialausdrücke Heideggers. Man findet es wohl nicht als Lexikoneintrag. Deutsch Verstehende formen gleich um: „Kunst ist anwesend im Kunst-Werk“ - (der Heideggersche Trennungsstrich bringt zugleich zustand, dass das Kunstwerk als Werk der Kunst ins Auge springen soll). Wir hatten den Zirkel von Kunstwerk und Künstler. Nun haben wir den Zirkel von Kunstwerk und quasi werktätiger Kunst. Auf S.3: „Nicht nur der Hauptschritt vom Werk zur Kunst ist als der Schritt  von der Kunst zum Werk ein Zirkel, sondern jeder einzelne der Schritte, die wir versuche, kreist in diesem Kreise.“  - Wen schwindelt hierbei? (Frage ins Publikum) 
Es wird ein neuer Anlauf gemacht: „Um das Wesen der Kunst zu finden, die wirklich im Werk waltet, suchen wir das wirkliche Werk auf und fragen das Werk, was und wie es sei.“ Und im Folgenden erst kommt die Rede vom >Ding< auf: „Die Werke sind so natürlich vorhanden wie Dinge sonst auch. 
 
Das Bild hängt an der Wand wie ein Jagdgewehr oder ein Hut.
 
 

 

 Ein Gemälde, z.B. jenes von Van Gogh, das ein Paar Bauernschuhe darstellt, wandert von einer Ausstellung in die andere. Die Werke werden verschickt wie die Kohlen aus dem Ruhrgebiet und die Baumstämme aus dem Schwarzwald.“ S.3 Am „Dinghaften des Kunstwerkes“ S.4 komme man nicht vorbei.

"… jenes besonders elementare Werk aus dem Van Gogh Museum in Amsterdam, dem allein das Wallraf-Richartz-Museum seit einiger Zeit in lohnenswerter Konzentration eine Kabinettausstellung widmet, gilt bis heute als Rätselbild. Das Kolorit entbehrt jeglicher vordergründiger Eleganz, es geht zurück auf naturalistische Szenen und Sujets aus demselben Milieu wie die „Kartoffelesser“ und den „Kartoffelkorb“ von 1885. Der niederländische Kunsthistoriker H. P. Bremmer war 1911 der erste Interpret der Arbeit, er stellte eine „innere Verbindung“ zwischen dem Motiv und „der menschlichen Existenz“ her, betonte den „Lebensgeist“, der dem „Paar toter Objekte“ eingehaucht sei. Den Philosophen Martin Heidegger, Autor des Epochenwerks „Sein und Zeit“ und seit 1933 Mitglied der NSDAP, beeindruckte 1935 die „derbgediegene Schwere des Schuhzeuges“: „Auf dem Leder liegt das Feuchte und Satte des Bodens“, bemerkte Heidegger in seinem „Kunstwerk-Aufsatz“ und schrieb die Schuhe ohne weitere Begründung einer Bäuerin als Besitzerin zu: „Zur Erde gehört dieses Zeug und in der Welt der Bäuerin ist es behütet.“
Bildbetrachtung: Das Geheimnis der Bauernschuhe | Kultur - Kölner Stadt-Anzeiger - Mehr auf:
http://www.ksta.de/kultur/bildbetrachtung-das-geheimnis-der-bauernschuhe,15189520,12789564.html?dmcid=sm_fb#plx1037348589

   „Das Hölzerne ist im Schnitzwerk …“
ZEiGeGESTE     (s.o. im Weinlaub)
 
 

„das Dinghafte ist so unverrückbar im Kunstwerk, daß wir sogar umgekehrt … sagen müssen: … Das Schnitzwerk ist im Holz. …Aber was ist dieses selbstverständlich Dinghafte im Kunstwerk? … Wir möchten die unmittelbare und volle Wirklichkeit des Kunstwerkes treffen; denn nur so finden wir in ihm auch die wirkliche Kunst. Also müssen wir zunächst das Dinghafte des Werkes in den Blick bringen. Dazu ist nötig, daß wir hinreichend klar wissen, was ein Ding ist.“ S.4
Im Übergang auf S.5 ist hinzugefügt: „Nur dann lässt sich sagen, ob das Kunstwerk ein Ding ist, aber ein Ding, an dem noch anderes haftet; erst dann lässt sich entscheiden, ob das Werk im Grunde etwas Anderes und nie ein Ding ist.“  Unser Autor macht es also spannend!

Soweit der Vorspann. Nun folgen die erwähnten 3 Abschnitte: Ding und Werk / Werk und Wahrheit (25) /  Wahrheit und Kunst (44)

In diesen Überschriften fehlen: >Zeug<  und >Gott< - diese haben in der Argumentation Heideggers aber  Schlüsselrollen. 

GA5, S.13 „Das Erzeugnis wird verfertigt als ein Zeug zu etwas. Darnach sind Stoff und Form“ – gewählt; Heidegger formuliert: „…im Wesen des Zeuges beheimatet“. Zeug ist „eigens zu seinem Gebrauch und Brauch“ hergestellt. „Das Zeug, z.B. das Schuhzeug, ruht als fertiges auch in sich wie das bloße Ding“, etwa Dinge, die von selbst da sind, nicht erst hergestellt werden müssen. Von ihnen sagt Heidegger  sie seien „eigenständig und zu nichts gedrängt“. Darin mag Kants Rede von der Erhabenheit der Natur (KdU: Kritik der Urteilskraft) nachklingen. „Andrerseits zeigt das Zeug eine Verwandtschaft mit dem Kunstwerk, sofern es ein von Menschenhand  Hervorgebrachtes ist.“ Zeug und Kunstwerke sind Artefakte. „Das Stoff-Form-Gefüge aber, wodurch zunächst das Sein des Zeugs bestimmt wird, gibt sich leicht als die unmittelbar verständliche Verfassung jedes Seienden, weil hier der anfertigende Mensch selbst daran beteiligt ist … Insofern das Zeug eine Zwischenstellung zwischen dem bloßen Ding und dem Werk einnimmt, liegt es nahe, mit Hilfe des Zeugseins (Stoff-Form-Gefüge) auch das nicht zeughafte Seiende, Dinge und Werke und schließlich alles Seiende zu begreifen.“ Zu dieser Ausweitung trägt bei auch die durch das Christentum weltweit verbreitete (vorher z.B. antik griechische) Vorstellung vom „Schöpfer“ als Handwerker-Gott (Demiurg).
                                  

Vom Zeug zu „dem Gott“ – Heidegger verwendet den Artikel und hebt, was er schreibt, damit ab von >Gott<, dem Ausdruck, den Monotheisten ja ohne Artikel verwenden. Hinweisen möchte ich auf eine spätere Passage im Text, S. 27: „sei mit Absicht ein Werk gewählt, das nicht zur darstellenden Kunst gerechnet wird. Ein Bauwerk, ein griechischer Tempel, bildet nichts ab. Er steht einfach da inmitten des zerklüfteten Felstales."


West „der Gott“ (Poseidon?) noch an?

(die Fachwissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass es sich auch hier um einen HERA-Tempel handele)      West also nun Göttin hier an?

S.27: „Durch den Tempel west der Gott im Tempel an.“  (Haus Gottes) S.29: „Der Tempel gibt in seinem Dastehen den Dingen erst ihr Gesicht und den Menschen erst die Aussicht auf sich selbst. Diese Sicht bleibt so lange offen, als das Werk ein Werk ist, so lange als der Gott /die Göttin/ nicht aus ihm geflohen.“  „… je reiner das Werk selbst in die durch es selbst eröffnete Offenheit des Seienden entrückt ist, umso einfacher rückt es uns in diese Offenheit ein und so aus dem Gewöhnlichen heraus.“ S.54  Bei Vincent van Goghs Bild „Schuhe“ scheint  das eher weniger der Fall zu sein (?) als bei den Tempeln von Paestum/Poseidonia in „Magna Graecia“ Süditalien. Doch entrückt sind beide. Auch wenn der Abstand zum einstigen >Schuhzeug< Betrachtern des 20. und frühen 21. Jahrhunderts vielleicht kleiner erscheint. Gottfried Gabriel behandelt in seinem 2015 erschienen Buch ERKENNTNIS Heideggers Versuch seit Sein und Zeit (1927), „den Wahrheitsbegriff nicht-propositional zu bestimmen“ (64), also losgelöst davon, dass eine Aussage (als wahr) behauptet wird. Heidegger fährt S. 54 im Kunstwerktext fort: „Dieser Verrückung folgen, heißt: die gewohnten Bezüge … verwandeln und fortan mit allem geläufigen Tun und Schätzen, Kennen und Blicken ansichhalten, um in der im Werk geschehenden Wahrheit zu verweilen. … (dies) läßt das Geschaffene erst das Werk sein, das es ist. … das Werk ein Werk sein lassen, nennen wir die Bewahrung des Werkes. Für die Bewahrung erst gibt sich das Werk in seinem Geschaffensein als das wirkliche, d.h. jetzt: werkhaft anwesende. Sowenig ein Werk sein kann, ohne geschaffen zu sein, so wesentlich es die Schaffenden braucht, sowenig kann das Geschaffene selbst ohne die Bewahrenden seiend werden.“  Haben wir also unsern Frieden mit dem „Meister aus Deutschland“ (Safranski im Untertitel seiner Heideggerbiografie) gemacht?

Dazu bedenke frau/man noch dies:

„In der Tragödie wird nichts auf- und vorgeführt, sondern der Kampf der neuen Götter gegen die alten wird gekämpft. Indem das Sprachwerk im Sagen des Volkes aufsteht … (geschieht es), daß …(es) zur Entscheidung stellt, was heilig ist und was unheilig, was groß und was klein, was wacker und was feig, was edel und was flüchtig, was Herr und was Knecht“ – und Heidegger fügt an: „(vgl. Heraklit, Fragment 53)“.  Da es sich ja bei der Heidegger Gesamtausgabe um eine „Ausgabe letzter Hand“ handelt, ist nicht ersichtlich, was davon 1935 geschrieben wurde. In dieser Zeit schreibt Heidegger auch in die „Schwarzen Hefte“, die  erst seit 2014 als Bände 94 ff in GA, hrsg. von Peter Trawny zugänglich sind. Hierin wird unverschlüsselt von Herr und Knecht (und „von alten und neuen Göttern“) geschrieben.

 

Fragment 53, Heraklit zugeschrieben http://12koerbe.de/pan/heraklit.htm   : „Krieg ist zwar von allem Vater, von allem aber auch König, und die einen hat er zu Göttern bestimmt, die anderen zu Menschen, die einen hat er zu Sklaven gemacht, die anderen zu Freien.“

 Ist dies des Pudels Kern? Ist das die durch Kunst „ins Werk gesetzte Wahrheit“? Zeitlos?

 
19.-25.3.2016 PHILOSOPHISCHE WOCHE in BRSEC / Istrien (Kroatien RI-):
Mythos-Logos-... 
 
 
 
 
 
 
 


Montag, 28. September 2015

Mondkette

  


                    cosmic perls collected by Mary

what deserves to be preserved



 
(Ctrl +click on the title shows you the way into it)
 

We live in our own experience, as part of a common, human social world. This is different to the system of the earth which mostly is not experienced directly at all. It is either out of our reach or we lack orientation to it. We only access that which is in the human world already. Our experience is socially mediated. This is the common world of social constructions we live in.

According to
Heidegger, great artists establish connections between the earth and the world and through their work introduce new existence into the human sphere. Their artifacts and happenings create new ontologies thereby expanding and enriching the world. They disclose that which is concealed by tradition.

Art "at its greatest ... 'grounds history' by 'allowing truth to spring forth'". (
Martin Heidegger via Iain Thomson)

Art gives humanity an outlook on itself and helps to establish what is important in life as well as what deserves to be preserved.

Posted 2 days ago by Neil Horne

lunatic


Mittwoch, 2. September 2015


Lesegruppe ZEIT (Safranski 2015)

Im PhiloTreff der SinnPraxis haben wir mit einem HEIDEGGER betreffenden Abschnitt aus Kap.3 begonnen und dann den Film ONLY A GOD CAN SAVE US angeschaut und diskutiert.

Montag, 17. August 2015

14 . I C P P kommendes Jahr in BERN

         --> ein Klick auf das Bild zeigt es ganz
 
Meine Einladung zur 14. Internationalen Konferenz für Philosophische Praxis 2016 in Bern

Auf der 13. ICPP 2014 in Beograd wurde Detlef Staude damit betraut, die 14. Konferenz in der Schweiz zu organisieren: „Philosophische Praxis fusst auf der Überzeugung, dass das Philosophieren nicht nur theoretische Erkenntnis zum Ziel hat, sondern dabei Fragen der menschlichen Existenz sowie des täglichen Lebens in den Blick kommen. Der philosophische Dialog unterstützt somit bei der Orientierung im Leben. So gesehen hat Philosophische Praxis zum Ziel, den Anderen und sich selbst besser zu verstehen.  Im Bereich der Philosophischen Praxis hat sich in den letzten Jahren eine beachtliche, vielfältige internationale Bewegung entwickelt. Seit 1994 haben internationale Konferenzen für Philosophische Praxis stattgefunden, in unterschiedlichsten Ländern der Welt.“ (Detlef Staude für philopraxis.ch im CALL for PAPERS 2015)
Aber gibt es denn philosophisches Wissen, das zur Orientierung im Leben führt?

Durchaus skeptisch ist da Michael Hampe in seinem 2014 erschienenen Buch „Die Lehren der Philosophie. Eine Kritik“. Angeknüpft wird an das berühmte >Nicht-Wissen< des Sokrates. (Vgl. dazu auch Roth 2010)  Dies ist auch insofern von Belang, da ja einige von uns Sokrates als einen frühen Philosophischen Praktiker sehen. Michael Hampe, Professor an der ETH in Zürich, wird den kurzen Eröffnungsvortrag (auch offen für die interessierte Öffentlichkeit) am 4.8.2016 am Nachmittag halten.


Unser Treffen ist in der Hauptsache eine Konferenz von philosophischen Praktikern für philosophische Praktiker. Wir versuchen uns dabei offen zu zeigen für die Universitätsphilosophie und ebenso für eine zum Philosophieren bereite Öffentlichkeit (hierin Sokrates folgend) – um in je angemessener Weise in Dialoge einzutreten. Die Formuliereng des Rahmenthemas
UNDERSTANDING THE OTHER AND ONESELF

ist auch  als Bemühung des Organisationsteams zu sehen, dass die Beiträge sich hierauf konzentrieren. Daher bitte beachten: dies wird auch der Titel der Kongresspublikation sein, siehe www.philopraxis.ch/?page_id=945
  

Man kann  ja dafür argumentieren, dass „Philosophische Praxis“ seit der Antike existiert und eben mit der Tätigkeit beispielweise von Sokrates beginnt. Den Namen  „Philosophische Praxis“ fand Kollege Gerd B. Achenbach (Bergisch Gladbach unweit Köln) 1981 für seine eigene Aktivität und er gründete 1982 die Gesellschaft für Philosophische Praxis (GPP), die wurde 1984 zur „Internationale“ (IGPP). Eine echte Internationalität wurde freilich damit noch nicht erreicht. Dies aber war Anliegen „im zweiten Anlauf“ 1994 der ersten ICCP von Vancouver (Ran Lahav & Lou Marinoff). Seitdem ist die Hauptsprache der Internationalen Konferenzen ICPP Englisch. (Wir werden hiervon in den Veranstaltungen, die offen für die Öffentlichkeit sind, abweichen.)

Auf den ICPP-Treffen kommt es zu Begegnung und Gespräch mit Leuten, die vielleicht bis dahin für eine/n „nur Namen“ von Autor(inn)en waren oder uns „nur digital“ aufgefallen waren. Auf der 13. ICPP in Belgrad hatte Ran Lahav überraschend angekündigt, dass  es bald eine digitale AGORA philosophischer Praktiker (www.philopractice.org) geben werde. Dies macht es auch möglich, miteinander in Kontakt zu bleiben zwischen den in Zweijahres- oder Jahresabstand stattfindenden Konferenzen. Die ersten Videos wurden von Ran Lahav schon in Belgrad aufgenommen. Inzwischen sind schon etliche erschienen. Teilweise stehen Übersetzungen zur Verfügung. Auch die 14. ICPP ist für die Aufnahme neuer AGORA-Interviews eine Gelegenheit. Was bei der 13.ICPP noch eine Überraschung war, ist nun Teil des Programms und gibt uns nun auch neue Kommunikationskanäle für Direktübertragungen und zeitnahe Diskussion des ICPP-Geschehens auch „mit der Welt außerhalb von Bern“.



Philosophische Praktiker haben die Erfahrung und teilen die Überzeugung, dass philosophischer Dialog, gemeinsames Philosophieren hilfreich für eine Orientierung im Leben sein kann, siehe auch Roth/Staude für philopraxis.ch (Hg.), OrientierungsLos (Konstanz 2010). Ein viel diskutiertes, doch eigentümlich paradoxes Vorbild hat uns Platon in der „Apologie des Sokrates“ gegeben. Dies ist paradox, weil ja für unseren Kollegen das Philosophieren das Resultat hat, dass sein Leben aufhört. Die zweite Seite der Paradoxie ist freilich, dass Sokrates bis an sein Lebensende philosophiert. Selbst wenn er nicht durch Wissen angeleitet wird, nimmt ihm das eingestandene Nicht-Wissen die Todesfurcht und er sorgt so „für seine Seele“, schafft sich Seelenfrieden. In der abschließenden  >jam session< mit den Freunden im Gefängnis wird ernsthaft und heiter-gelassen philosophiert. Michael Hampe hat 2014 zugespitzt formuliert, dass der Sokrates der Apologie „seine freie Individualität allein in einer leiblosen Existenz realisiert sah“ (S. 100).
Ist das Grundlage für philosophische Lebenskunst?

 Keine/r von uns konnte  entscheiden nicht auf die Welt zu kommen. Wir finden uns immer schon vor in der Welt. Aber können wir in einen Dialog eintreten, in welcher Weise unser individuelles Leben zu Ende gehen soll?

 

Endlich! – vom Leben mit dem Tod (Philcologne 30.5.2015)
Zum obigen Bild: http://www.kunstkopie.de/a/david-jacques-louis/der-tod-des-sokrates.html ; http://www.nzz.ch/feuilleton/wird-denken-jetzt-mode-1.185955723    mit treffendem neuen Titel des Bilds (ohne Bezug im Text) von Marc Zitzmann 14.8.2015; eingesetzt in einen Reiseschnappschuss „in der Stadt” / M. Roth 2009 (Istanbul)

 

14. I C P P 2016 in B E R N

   Do., 4.8. - Mo., 8.8.2016   Campus Muristalden
 125 – 200 Teilnehmende aus der ganzen Welt
  Hauptsprache ist Englisch, einige Veranstaltungen auf Deutsch, Französisch und Italienisch

Den/die/das Andere und sich selbst verstehen 

  
 Philosophische Praxis gibt es trotz Vorformen in der Antike unter dieser Bezeichnung erst seit gut 30 Jahren. Seither ist eine vielfältige internationale Bewegung von Philosophinnen und Philosophen entstanden, die in unterschiedlichster Form das Potential der Philosophie sowohl unabhängig vom akademischen Bereich als auch in Verbindung mit der Universität nutzt. Philosophische Praxis fusst auf der Überzeugung, dass der philosophische Dialog eine Unterstützung bei der Orientierung im Leben und eine existenziell bedeutsame Bereicherung darstellt.

2016 führt das Netzwerk für praktisches Philosophieren philopraxis.ch die 14. Internationale Konferenz für Philosophische Praxis (ICPP) in Bern durch. Die ICPP ist eine Konferenz von und für Philosophische Praktiker und Praktikerinnen sowie für die Öffentlichkeit. Wir arbeiten mit der VHS Bern und dem Haus der Religionen zusammen. Austausch und Dialog stehen im Vordergrund.    mailto:   ICPP2016@philopraxis.ch

Haben Sie Interesse, auf der Internationalen Konferenz für Philosophische Praxis als Helferin/Helfer dabei zu sein? Haben Sie Gelegenheit, eine Philosophin/einen Philosophen bei sich übernachten zu lassen?