Sonntag, 3. Juni 2012

TRÄUMEN / KUNSTEN / PHILOSOPHIEREN





zum Motiv der LEITER/Himmelsleiter


Seit 2008 gebe ich die Reihe: Philosophische Praxis heraus, in der bisher 3 Bände erschienen (- und bald vielleicht ein 4. mit Beiträgen und Diskussion auf diesem Sommertreffen?) …

Zum Kunsten und der Himmelsleiter
Dazu schlage ich auf den Band 2 auf der Seite 30:
Seit etwa zehn Jahren säge und schmirgle ich unter dem Feigenbaum, in dem unser Haus steht, Figuren. Vorbeikommende fragen sich und (unwillkürlich) auch mich , ob das wohl Engel werden? Ich kenne Engel nicht, für mich sind es mehr oder weniger Ψ – förmige Figuren , die da häufig entstehen, und weil ich auch Engel für Figuren halte, sage ich: „Jo-a -“ Oft entsteht eine Denkpause. (Für mich ein wichtiger Moment)
Inzwischen sind viele Figuren entstanden - und unser Haus ist klein! Oft stelle ich die Figurinen horizontal, „nebeneinander“ -, es kommt aber auch vor, dass ich Baumstämme längsteile, so entstehen Leiterholmen und es ergibt sich die Gelegenheit jene „Engel“ wie die Sprossen einer Leiter aufsteigen (und aus anderer Perspektive) absteigen zu lassen.

Ich kombiniere Engelsleiter und Strickleiter und nähere mich so dem in Nietzsches ZARATHUSTRA vorkommenden Bild des Hochseils." Kunste ich noch, oder philosophiere ich schon?

Kollege SL veröffentlichte 2009: DU MUSST DEIN LEBEN ÄNDERN und da kommt auf Seite 200 auch eine Art Stufenleiter in des PhilosophenKünstlers Blick: „Die Sphäre der menschlichen Lebensvollzüge bildet die Mitte zwischen Welten-darunter und Welten-darüber.“ Das „DARUNTER“ sind wir ja gewohnt als das Anorganische und das nebenmenschlich Lebendige zu verstehen und technisch greifen wir darin ein. Und wie steht´s mit dem „DARÜBER“? Sie sind vielleicht überrascht zu hören: „Jede menschliche Operation … wird überspannt von einer Überwelt aus transzendenten Handlungen, deren Agenten die Engel sind.“ AT200
Dies ist eine Passage aus dem Abschnitt Jakobs Traum oder: Die Hierarchie. Dem geht p.198 die Formulierung voraus: „In die >andere Welt<, die geisthafte … ragt der Mensch hinein, insofern er sich mit natürlichen Mitteln an Mehr-als-Natürlichem versucht.“
Doch nun zum Orginal, zur Jakobsleiter!
SL hatte (Einleitung zum Buch) S.17 angekündigt, in seiner philosophischen Übungslehre Anthropotechnik anzuknüpfen an „jahrtausendealte Fäden … an frühe Manifestationen menschlichen Übungs- und Beseelungswissens“. Auf S. 199 ist es dann soweit, und SL zitiert aus dem „1. Buch“, 1.Moses/Bereschit, des Alten Testamentes (dem gemeinsamen Bibelteil der Juden und Christen) den Traum des flüchtigen Jakob - schlafend in ödem Gelände, ein Stein ist sein Kopfkissen: „Eine Leiter stand auf der Erde, ihre Spitze berührte den Himmel. Gottes Engel stiegen auf und nieder.“

(Diese Himmelsleiter würde uns vermutlich nicht weiter interessieren, ginge es nicht wie folgt weiter im Text:
Oben stand der Herr und sprach:>Ich bin der Herr, der Gott Abrahams und der Gott Isaaks; das Land auf dem du schläfst, will ich dir und deinen Nachkommen schenken ...“ AT 200) Dieses Land war freilich nicht "herrenlos" - schon damals, geht mir durch den Kopf.

SL aber kommentiert: „Von der Mächtigkeit der Leiter-Überlieferung zeugt die Tatsache, dass selbst Nietzsche noch unter ihrem Einfluss steht, wenn er Zarathustra zu seinen Freunden sagen lässt, er wolle ihnen >alle die Treppen des Übermenschen< zeigen.“(Prolog) AT202   Nietzsche gelinge die „Umwandlung der Engel in Artisten“ und wie Engel „als Boten Gottes ihren Dienst tun, so Artisten als Boten der Kunst“. Paradigmenwechsel: So überlebt „das mächtigste Vertikalsymbol der alten Welt die atheistische Krise“, nach der sich „oben nichts mehr findet, woran sie (die Himmelsleiter) sich anlehnen könnte“.

Und wird denn noch etwas „geschenkt“? Wer schenkt und wer wird beschenkt?

Sind Dialoge auch Leitern? Die Dialogpartner aufragende Holme, die zwischen ihnen ausgetauschten Fragen und Antworten Leitersprossen? Und wohin führt die Leiter ?

Barbara Zehnpfennig (Danke, Christine!) PLATON zur Einführung (1997) spricht wie folgt davon, was sich beim Auf- und Absteigen auf der Wissensleiter ereignen kann: in Platons Dialogen habe man oft den Eindruck, es bleibe die Sokratische Erkenntnissuche ergebnislos … von diesem Ergebnis enttäuscht sein muss aber nur der, der sich vom Dialog ein Wissen versprochen hatte … Am Wissen und seiner Prüfung vollzieht sich vielmehr Erkenne-Dich-Selbst. Das Wissen ist nur die Leiter , die zurückgelassen wird, wenn man auf ihr hinaufgestiegen ist.“
Stimmt das? - Fortsetzung folgt (morgen)

Uns allen: Gute Gespräche!



Himmelsleitern wohin man schaut

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Der Himmel steht den Menschen auch im hier und jetzt offen, sogar eine goldene Leiter kann es sein, die scheinbar hinführt. Auch in Krisenzeiten ein schönes Symbol der (christlichen) Hoffnung auf mehr als das was auf Erden erlebt wird.
Bildquelle: GL_Nachtspiegelung_außen – Susan Feind
Stahlskulptur „Goldene Leiter” in Duisburg. Eine Arbeit von Brunner / Ritz.
Das dieses Thema auch in der zeitgenössischen Kunst ihren Widerhall finden kann, zeigt die Arbeit der “Goldenen Himmelsleiter” des Münchner Künstlerduos Johannes Brunner und Raimund Ritz. Sie haben eine handvergoldete, 65 Meter hohe und 32 Tonnen schwere, goldene Himmelsleiter entwickelt, die als Kunstambau-Projekt das neue ebenfalls gigantische Shoppingcenter “Forum Duisburg“, das im September 2008 eröffnet wurde, schmückt. Besser gesagt: kommentiert. Hoffnung, Jenseitshoffnung,Spiritualität und ganz konkreter materieller Nutzen finden sich hier zusammengestellt.
Wahrscheinlich von denInvestoren weniger so gesehen,kann die goldene Himmelsleiter allgemein und speziell in einer schwer vom Wandel gebeutelten Stadt wie Duisburg, Symbol für das Mehr an (künstlerischem) Inhalt in einer haltlosen, materiellen Zeit sein.










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