Montag, 3. September 2012
Mütter , Kinder / PHILOSOPHIEren
Mütter zum Philosophieren mit ihren Kindern
Christine – Anja - Maria – Lydia im Gespräch
Dass Kinder mit Fragen es Erwachsenen nicht immer leicht machen, dazu ein erinnertes Beispiel. Ein Großvater geht in der Osterzeit mit seinem Enkel durch die Stadt. Sie kommen an ein Schaufenster, in dem ein stehender großer Osterhase mit einem Korb auf dem Rücken zu sehen ist, aus dem bunte Ostereier ragen. Daneben ein ausgestopftes Huhn. Sie blicken in unterschiedliche Richtungen. Der Enkel fragt den Großvater: „Wo kriegt denn der Osterhase die Eier her?“
Der Großvater zeigt (nach meiner Erinnerung) auf das Huhn. Der Enkel: „Und in welcher Sprache spricht der Hase mit den Hühnern?“
Ich werde damals etwa 4 Jahre alt gewesen sein. Vielleicht war mein Großvater baff, jedenfalls ist mir das Philosophieren bis heute nicht ausgetrieben worden. Wie halten es nun philosophierende Mütter mit ihren Kindern? Bei einem Treffen in der Schweizerischen Dokumentationsstelle für Kinder- und Alltagsphilosophie
s´Käuzli im August 2012 gab es eine angeregte Diskussion, moderiert von Eva Zoller Morf ausgehend von einem input durch Christine Mok-Wendt, an KANT:
„Wir wollen also vorerst das Prüfungsmerkmal der reinen Tugend an einem Beispiel zeigen, und indem wir uns vorstellen, daß es etwa einem zehnjährigen Knaben unter Beurteilung vorgelegt worden, sehen, ob er auch von selber, ohne durch den Lehrer dazu angewiesen zu sein, notwendig so urteilen müßte.“ (KPV, A277/278)
und SCHILLER anknüpfend:
„Doch ist schon die bloße Übung des Verstandes ein Hauptmoment bei dem Jugendunterricht, und im Denken selbst liegt in den meisten Fällen mehr als an dem Gedanken.“ ( Schiller aus Freese, S.145 ; vgl. auch feigenblaetter.blogspot.com: Nachhaltig Philosophieren)
Der Herausgeber: Ihr seid alle philosophische Mütter: Bitte stellt den Lesern kurz Eure Kinder vor !
Philosophiert Ihr mit Euren Kindern?
Lydia: Dies hier ist Hannah und sie ist heute 4 Monate alt. Um zu philosophieren ist sie also noch zu jung, es fehlt ihr die Sprache. Aber frage mich als Philosophin und Mutter: haben wir nicht eine besondere Verantwortung? Da wir um unseren Einfluss auf die geistige und soziale Entwicklung unseres Kindes wissen? Da wir unsere Verantwortung begreifen? Wie seht Ihr das, Eure Kinder sind ja schon älter.
Maria: Mein Bub ist erst 2 Jahre. Er beginnt gerade erst so richtig zu quatschen. „Philosophieren“ kann ich daher noch nicht mit ihm. Auf Deine Frage möchte ich antworten, dass ich als Mutter und Philosophin daran glaube, dass ich die Entwicklung meines Kindes bestmöglich beeinflussen kann, in dem ich mich selbst beobachte und auf mein Verhalten achte, an mir arbeite. Ich bin meinem Kind ein Vorbild. Gerade zurzeit merke ich das sehr deutlich: Noa wiederholt jedes Wort, das ich sage und versucht es zu verstehen. So detailliert habe ich mich mein Leben lang noch nicht geprüft.
Christine: Wenn ich hier Zitate von Philosophen („big P“ nach Jackson) hereinbringe als kognitive Anregungen, wie
ARISTOTELES, Nikomachische Ethik: „Es kommt also nicht wenig darauf an, ob man schon von Kindheit an so oder so gewöhnt wird; es hängt viel davon ab, ja sogar alles.“ - Bezug auf PLATON: „Daher müssen wir, wie Platon sagt, sofort von klein auf in bestimmter Weise erzogen werden, ...“
dann .... überlege ich mir im Nachhinein, ob ich in der Erziehung meiner Tochter (sie hat gerade ihr Abitur gemacht und wird in ein paar Wochen 18) alles richtig gemacht habe. Durch meine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Habitus und dem PMK, die ich in meiner BA-Arbeit versucht habe miteinander zu verknüpfen, stellte ich mir die Frage immer öfter. Das 'Ob' mit ja zu beantworten, wäre völlig vermessen, denn natürlich habe ich auch viele Fehler gemacht, aber eines habe ich glaube ich geschafft, sie durfte in vielen Bereichen (Sport, Musik) ihre eigenen Erfahrungen machen, und in diesem Sinn verstehe ich Aristoteles und Platons Erziehungsbegriff.
Anja: Ich bezweifle sehr, dass Kinder „Erziehung“ brauchen, um gesund und glücklich groß zu werden und ihren Platz in der Welt einzunehmen. Mit „Erziehung“ meine ich jetzt „irgendwohin leiten“, „an unsere Gesellschaft anpassen“ und „lenken“. Denn das würde heißen, dass eine gesunde Entwicklung nicht so oder so schon in uns Menschen angelegt ist. Um groß und stark zu werden bedarf es „nur“ einer tragfähigen primären Bindung und vertrauenswürdigen Bezugspersonen. Das heißt für mich nicht, dass diese nicht auch „nein“ sagen können, wenn es gefährlich für das Kind oder sein Umfeld oder ähnliches wird.
Lydia: Dein Kind muss aber doch in unserer Gesellschaft leben, da muss es doch auch an sie angepasst werden! -um sich hier Orientieren zu können. Aber als Philosophin kannst du diese objektive Bestimmtheit deinem Kind vielleicht offenlegen. Ihm die Möglichkeit in die Hand legen, die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen es lebt, zu hinterfragen und zu kritisieren. Subjektive Bestimmung hinzufügen, indem du es autonom erziehst. Es also dahin leitest ein eigenständiger, selbstbestimmter Mensch zu werden. Die Frage bleibt, ob das dann noch „Erziehung“ ist, wie wir sie hier diskutieren?
Ich möchte außerdem kurz von einer Situation erzählen, die mir sehr Eindrücklich war: Als ich mit meiner Familie in einem Restaurant war, stieß mein kleiner Bruder (10 Jahre) ein volles Glas um. Wir alle lachten nur, es war nicht weiter schlimm. Sein Vater aber streichelte ihm über den Rücken und sagte ihm, dass das überhaupt kein Problem sei und er sich nicht dafür schämen musste. Denn das hatte er getan. Mir war das gar nicht so aufgefallen, doch in dem Moment fand ich diese Reaktion des ''Erziehungsberechtigten'' tief beeindruckend. So etwas passiert. Steh darüber wenn die Leute gucken, du hast nichts falsches getan. - Wieviel Schaden hätte es anrichten können, wenn ihn statt dessen eine Bezugsperson angekeift hätte, er solle besser aufpassen und sich benehmen?
Christine: [Und zum Thema: „Fehler machen“, finde ich, auch Eltern dürfen Fehler machen, auch mal ungerecht sein, wichtig ist, dass man auch darüber offen und ehrlich mit seinen Kindern den Dialog sucht, das heißt, in einer erklärenden Entschuldigung den Fehler eingesteht, dann können beide Seiten davon profitieren ...
Stimme in der Diskussion: man muss authentisch sein,das entspricht genau dem Ehrlich-miteinander -umgehen
Anja: Authentisch sein ist manchmal verdammt schwierig! Vor allem auch dann, wenn ich selbst viel Fachwissen über Erziehung im Kopf habe und diverse pädagogische Methoden, etc. z.B. aus meiner Arbeit kenne.
Ich habe selbst vier Kinder, drei Mädels und einen Jungen. Die großen beiden sind schon 18 und 15, die beiden kleinen 3 und knapp 1. Bei den größeren hatte ich viel genauere Vorstellungen, wie ich sie „erziehen“ möchte. Ich meinte zu wissen, wann es gut für ein Kind ist im Bett zu sein, dass eine bestimmte Form von Bildung wichtig sei und wollte auf gar keinen Fall eine überfürsorgliche Mama und Hausfrau vorleben. Meine Kinder sollten sehen, was ich alles nebenher auf die Reihe brachte – Job, Studium, Kinder „erziehen“.
Ich denke mir heute, dass Kinder wirklich „nur“ diese tragfähige (Vermittlungs-)Beziehung bzw. Bindung benötigen, die ja aber auch schon von der Zeugung weg da ist! (wenn nicht gerade ganz viel verkehrt läuft)
Ein Kind lernt ja auch von selbst laufen, dazu benötigt es keinen extra Laufwagen z.B.. Das ist schon in ihm angelegt.
Lydia: Schon Kleinkinder haben einen eigenen Willen und den sollte man achten!
Maria: An der Pädagogischen Hochschule des Thurgau in der Nachbarstadt von Konstanz, Kreuzlingen, kann ich ja das, was Eva Zoller mit dem Unterrichtsfach Kinderphilosophie begonnen hat, fortsetzen. Ich erziehe Erziehende , die sich an der Hochschule auf die Berufstätigkeit in Schulen vorbereiten. Daneben mache ich Weiterbildungsveranstaltungen für VolksschullehrerInnen in Vorarlberg zum Thema: Philosophieren mit Kindern (PMK). Und ich praktiziere natürlich auch selbst PMK in den Klassen, um den Lehrpersonen diese Methode erlebbar zu machen. Doch ich trenne das und die Erziehung meines Sohnes ...
Christine: „Ich trenne PMK und die Erziehung meines Sohnes“ ist für mich eine sehr überraschende Aussage!
Maria: Ich habe das gesagt, weil die Situation eine andere ist, ob ich eine Gruppe von Kindern vor mir habe oder mein eigenes Kind. Bei meinem Sohn ist die Vorbildwirkung, wie oben erwähnt, viel stärker. Bei der Schulklasse arbeite ich auch viel mit Gruppendynamik. Eine Voraus-setzung für PMK ist nämlich der „intellectually safe place“, ein Ort, an dem ich gerne jeden Gedanken frei äußere und dieser von allen wohlwollend aufgenommen wird. Wobei … Vermutlich lebe ich PMK auch mit meinem Sohn, denn für mich ist es selbstverständlich, dass dieser Raum auch zuhause gegeben ist.
Christine: Lydia möchte ich sagen: bau Dir nicht zuviel Druck auf: auch als Philosophin bist du im Zweifelsfall 'nur' Mutter, die eben auch nicht perfekt sein kann und muss!
Lydia: Danke dir. Aber ich habe auch nicht den Anspruch eine perfekte Mutter zu sein. Was ich meinte ist: Als Philosophen beschäftigen wir uns alle mit dem Geist des Menschen, seiner Natur, Entstehung und Begründung von Moral uvm. Und das alles bringt einen doch nun als Mutter in eine Position in der man große Macht über ein anderes Lebewesen hat, um diese weiß und sie hinterfragt. Ich meine wir haben doch (mit) den größten Einfluss darauf, wie ein Mensch wird. Wie er in dieser Welt wirkt. So will ich natürlich, dass Hannah moralisch verantwortungsbewusst handelt. Dass sie andere Menschen in ihrer Eigenwürde achtet, dass sie couragiert ist und so weiter. Ich will aber auch ihre Freiheit achten. Ich will sie nicht formen - und damit komme ich dann wohl deinem Begriff der Erziehung nah, Anja? -
Ich frage mich: (wie) kann ich Hannah unterstützen, kritisieren und dabei helfen ein glücklicher Mensch zu werden ohne in diese Form Erziehung zu geraten? Die Antwort lautet wohl: Philosophie als Methode!
Anja: Mit den Kindern philosophier´ ich am allerliebsten. Für Fragen, wo ich schon lange grüble und mir selbst der Kopf schon raucht, kommt zum Beispiel eine so einfache und doch so treffsichere Antwort, dass ich ganz baff bin.
Als ich an meiner Diplomarbeit* dran war und schon eine Weile grübelte, woran es liegen könnte, dass der Tod in der patriarchalen Philosophie einen viel höheren Stellenwert als die Geburt einnimmt, fragte ich meine Tochter (damals 15): „Was denkst du ist mächtiger: Leben nehmen oder Leben geben?“ Ich hatte keine Antwort darauf. – Sie: „Ist doch logo. Leben nehmen kann im Prinzip jeder. Leben geben nicht.“
Ronja (3) beschäftigt sich auch schon mit der Größe des Himmels. Es ist noch ganz einfach: Der Himmel reicht von links vom Ende der Berge nach rechts zum Ende der Berge. - Gleichwürdigkeit im Gespräch mit Kindern finde ich sehr wichtig.
Maria: Die Gleichwürdigkeit sollte aber nicht nur zuhause, sondern auch in der Schule gegeben sein. Ich finde das kurze Video zu Amber Makaiau´s Arbeit http://www.p4chawaii.org/teaching-tolerance-award ein sehr schönes Beispiel, welche Wirkung das regelmäßige Philosophieren in einer Schulklasse haben kann.
Und zum Aspekt „civilbeat“
http://www.civilbeat.com/articles/2012/04/14/15546-philosophy-for-children-promoting-peace-in-the-classroom/
Herausgeber: Das gemeinsame Philosophieren ist ein Gemeinschaftserlebnis - und die „Werkzeugkiste“ (toolkit)** bietet Alternativen zur „Lösung“ von „Streitfragen“ durch Gewalt ?
Euch und Euren Kindern weiterhin: Viel Glück !
HINWEISE zum Philosophieren mit Kids (Kindern / Jugendlichen)
EPIKUR „Früh hatte E. zu philosophieren angefangen. Schon mit 13 Jahren fragte der scharfsinnige Knabe seinen Lehrer, als dieser ihm Hesiods Kosmogonie aus dem Chaos erläuterte: und wo kam das Chaos her ?“ (Kreibig S. 10)
Thomas Jackson http://streaming.uni-konstanz.de/talks-events/why-do-children-teachers-and-parents-love-to-do-philosophy/
Christine Mok-Wendt, Wozu Philosophieren mit Kindern? BA-Arbeit Philosophie, Universität Konstanz 2011
Leonard Nelson,
*Anja Ritter, Geburt und Natalität. Eine philosophische Betrachtung. Magisterarbeit. Institut für Philosophie, Universität Innsbruck 2011 (, worauf sich das Gespräch mit der Tochter bezieht)
**Siehe auch: Mike Roths Besprechung von IST PHILOSOPHIEREN MIT KINDERN PHILOSOPHIE? http://www.philopraxis.ch/wcms/ftp//p/philopraxis.ch/uploads/philopaidia.pdf Von Maria Eitzinger (Rüdisser) VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2008, ISBN: 978-3-639-01350-4
Neils mail aus Berlin: ... ich hatte eine positive Erfahrung mit 2 Kindern im Park letze Woche. Jemand hat einen Apfelbaum gepflanzt mit der Notiz "Ich bin neu hier. Wenn ich überleben soll, brauche ich Wasser" . Weil es heiss war, habe ich einige Mal die Gießkanne geholt. DAS GEFÄLLT MIR Ein Bub -vielleicht 3 Jahre alt- kam, stand neben mir und fragte, was ich da mache. Ich erklärte, dass das ein Baum ist und er braucht Wasser. Ich las vor, was da geschrieben war, dass der Baum "neu hier ist". Das hat er gut verstanden. Er war ja auch neu hier. AHA Da kam ein Mädchen. Wir unterhielten uns und ich habe mich gefreut. ( Interessant war: der Schreiber wusste, wie wichtig der Satz "ich bin neu hier" war - um Sympathie zu erwecken in diesen Kindern. )
VIEL GLÜCK
ISBN 978-3-00-039517-8
erscheint im September 2012
Vorwort
Drum prüfe
Lebenskunst in Ost und West.
Zoran Djindjic und Wilhelm Schmid
(k)eine Methode
Podiumsdiskussion 2011 (Bernasconi/Fintz/Huber/Staude & Roth)
Wann glückt Philosophische Praxis ? Ein Hinweis
Im Band 4 der Reihe Philosophische Praxis sind kurze Texte abgedruckt, die meist auf Veranstaltungen im Rahmen des Netzwerks philopraxis (Mitglieder in Süddeutschland, Vorarlberg und der deutschsprachigen Schweiz) zurückgehen, insbesondere das CAFÉ PHILO des Philosophenkomittees Mastronardi/Roth/Staude im Alten Schloss in Bern-Bümpliz , den philosophischen Teil einer zivilen TRAUUNG auf der Rousseau-Insel (Petersinsel) im Bieler See und auf das Sommertreffen Philosophierender PraktikerInnen 2012 organisiert von Anette Fintz für philopraxis.ch am Bodensee, auch ein Seminartag im Käuzli Altikon (Eva Zoller Morf) und unsere SinnPraxis PhiloTreffen im Raum Konstanz. Der etwas längere Text „Glückliche Zukunft für Menschen?“ entstand im Anschluss an mein KompaktSeminar zu Hans Jonas und Hermann Scheer /Uni Konstanz, das Lydia anregte.
Volkbert M. Roth Insel Reichenau 2012
erscheint im September 2012
für Kuno
Vorwort
Viel(erlei) Glück
Bern Café philo 2011 (Roth)Buddhismus/Existentialismus
Bern Café philo 2012 (Mastronardi)Drum prüfe
Philosophische Trauung (Mastronardi)
Vom Gott der Philosophen zu einer
Aufgabe für Menschen
Bern Café philo 2011 (Roth)Glückliche Zukunft ?
Bodensee PhiloTreff (Mok-Wendt)Lebenskunst in Ost und West.
Zoran Djindjic und Wilhelm Schmid
(k)eine Methode
Podiumsdiskussion 2011 (Bernasconi/Fintz/Huber/Staude & Roth)
Wann glückt Philosophische Praxis ? Ein Hinweis
Mütter , Kinder / PHILOSOPHIEren
Wobst, Rüdisser, Ritter, Mok-Wendt & RothKein Glück? Kaspar-Hauser
Bodensee PhiloTreff (Roth) (Weißer)WISSENsGlück
Sommertreffen philopraxis Radolfzell 2012 (Roth)Vorwort des Herausgebers
Im Band 4 der Reihe Philosophische Praxis sind kurze Texte abgedruckt, die meist auf Veranstaltungen im Rahmen des Netzwerks philopraxis (Mitglieder in Süddeutschland, Vorarlberg und der deutschsprachigen Schweiz) zurückgehen, insbesondere das CAFÉ PHILO des Philosophenkomittees Mastronardi/Roth/Staude im Alten Schloss in Bern-Bümpliz , den philosophischen Teil einer zivilen TRAUUNG auf der Rousseau-Insel (Petersinsel) im Bieler See und auf das Sommertreffen Philosophierender PraktikerInnen 2012 organisiert von Anette Fintz für philopraxis.ch am Bodensee, auch ein Seminartag im Käuzli Altikon (Eva Zoller Morf) und unsere SinnPraxis PhiloTreffen im Raum Konstanz. Der etwas längere Text „Glückliche Zukunft für Menschen?“ entstand im Anschluss an mein KompaktSeminar zu Hans Jonas und Hermann Scheer /Uni Konstanz, das Lydia anregte.
Volkbert M. Roth Insel Reichenau 2012
Sonntag, 3. Juni 2012
TRÄUMEN / KUNSTEN / PHILOSOPHIEREN
zum
Motiv der LEITER/Himmelsleiter
Seit
2008 gebe ich die Reihe: Philosophische Praxis heraus, in der bisher
3 Bände erschienen (- und bald vielleicht ein 4. mit Beiträgen
und Diskussion auf diesem Sommertreffen?) …
Zum Kunsten und der
Himmelsleiter
Dazu schlage ich auf den
Band 2 auf der Seite 30:
„Seit etwa zehn
Jahren säge und schmirgle ich unter dem Feigenbaum, in dem unser
Haus steht, Figuren. Vorbeikommende fragen sich und (unwillkürlich)
auch mich , ob das wohl Engel werden? Ich
kenne Engel nicht, für mich sind
es mehr oder weniger Ψ
– förmige Figuren
,
die da häufig entstehen, und weil ich auch Engel für
Figuren halte, sage ich: „Jo-a -“ Oft entsteht eine Denkpause.
(Für mich ein wichtiger Moment)
Inzwischen
sind viele Figuren entstanden - und unser Haus ist klein! Oft stelle
ich die Figurinen horizontal, „nebeneinander“ -, es kommt aber
auch vor, dass ich Baumstämme längsteile, so entstehen
Leiterholmen und es ergibt sich die Gelegenheit jene „Engel“ wie
die Sprossen einer Leiter aufsteigen (und aus anderer Perspektive)
absteigen zu lassen.
Ich kombiniere Engelsleiter und Strickleiter und nähere mich so dem in Nietzsches ZARATHUSTRA vorkommenden Bild des Hochseils." Kunste ich noch, oder philosophiere ich schon?
Kollege
SL veröffentlichte 2009:
DU
MUSST DEIN LEBEN ÄNDERN und da kommt auf Seite 200 auch eine Art
Stufenleiter in des PhilosophenKünstlers Blick: „Die Sphäre
der menschlichen Lebensvollzüge bildet die Mitte zwischen
Welten-darunter und Welten-darüber.“ Das „DARUNTER“ sind
wir ja gewohnt als das Anorganische und das nebenmenschlich Lebendige
zu verstehen und technisch greifen wir darin ein. Und wie steht´s
mit dem „DARÜBER“? Sie sind vielleicht überrascht zu
hören: „Jede menschliche Operation … wird überspannt
von einer Überwelt aus transzendenten Handlungen, deren Agenten
die Engel sind.“ AT200
Dies
ist eine Passage aus dem Abschnitt Jakobs
Traum oder: Die Hierarchie. Dem
geht p.198 die Formulierung voraus: „In
die >andere Welt<, die geisthafte … ragt der Mensch hinein,
insofern er sich mit natürlichen Mitteln an Mehr-als-Natürlichem
versucht.“
Doch
nun zum Orginal, zur Jakobsleiter!
SL
hatte (Einleitung zum Buch) S.17 angekündigt, in seiner
philosophischen Übungslehre Anthropotechnik
anzuknüpfen an „jahrtausendealte Fäden … an frühe
Manifestationen menschlichen Übungs- und Beseelungswissens“.
Auf S. 199 ist es dann soweit, und SL zitiert aus dem „1. Buch“,
1.Moses/Bereschit, des Alten Testamentes (dem
gemeinsamen Bibelteil der Juden und Christen)
den Traum des flüchtigen Jakob - schlafend in ödem Gelände,
ein Stein ist sein Kopfkissen: „Eine
Leiter stand auf der Erde, ihre Spitze berührte den Himmel.
Gottes Engel stiegen auf und nieder.“
(Diese
Himmelsleiter würde uns vermutlich nicht weiter interessieren,
ginge es nicht wie folgt weiter im Text:
„Oben
stand der Herr und sprach:>Ich bin der Herr, der Gott Abrahams und
der Gott Isaaks; das Land auf dem du schläfst, will ich dir und
deinen Nachkommen schenken ...“ AT
200) Dieses Land war freilich nicht "herrenlos" - schon damals, geht mir durch den Kopf.
SL
aber kommentiert: „Von der Mächtigkeit der
Leiter-Überlieferung zeugt die Tatsache, dass selbst Nietzsche
noch unter ihrem Einfluss steht, wenn er Zarathustra zu seinen
Freunden sagen lässt, er wolle ihnen >alle die Treppen des
Übermenschen< zeigen.“(Prolog) AT202 Nietzsche gelinge die
„Umwandlung der Engel in Artisten“ und wie Engel „als Boten
Gottes ihren Dienst tun, so Artisten als Boten der Kunst“.
Paradigmenwechsel: So überlebt „das mächtigste
Vertikalsymbol der alten Welt die atheistische Krise“, nach der
sich „oben nichts mehr findet, woran sie (die Himmelsleiter) sich
anlehnen könnte“.
Und
wird denn noch etwas „geschenkt“? Wer schenkt und wer wird
beschenkt?
Sind Dialoge auch Leitern? Die Dialogpartner aufragende Holme, die zwischen ihnen ausgetauschten Fragen und Antworten Leitersprossen? Und wohin führt die Leiter ?
Barbara
Zehnpfennig (Danke, Christine!) PLATON zur Einführung (1997)
spricht wie folgt davon, was sich beim Auf- und Absteigen auf der
Wissensleiter ereignen kann: in Platons Dialogen habe man oft den
Eindruck, es bleibe die Sokratische Erkenntnissuche ergebnislos …
von diesem
Ergebnis enttäuscht sein muss aber nur der, der sich vom Dialog
ein Wissen versprochen hatte … Am Wissen
und
seiner Prüfung vollzieht sich vielmehr Erkenne-Dich-Selbst.
Das
Wissen ist nur die Leiter
, die
zurückgelassen wird, wenn man auf ihr hinaufgestiegen ist.“
Stimmt
das? - Fortsetzung folgt (morgen)
Uns
allen: Gute Gespräche!
Himmelsleitern wohin man schaut
. . .Der Himmel steht den Menschen auch im hier und jetzt offen, sogar eine goldene Leiter kann es sein, die scheinbar hinführt. Auch in Krisenzeiten ein schönes Symbol der (christlichen) Hoffnung auf mehr als das was auf Erden erlebt wird.
Stahlskulptur „Goldene Leiter” in Duisburg. Eine Arbeit von Brunner / Ritz.
Das dieses Thema auch in der zeitgenössischen Kunst ihren Widerhall finden kann, zeigt die Arbeit der “Goldenen Himmelsleiter” des Münchner Künstlerduos Johannes Brunner und Raimund Ritz. Sie haben eine handvergoldete, 65 Meter hohe und 32 Tonnen schwere, goldene Himmelsleiter entwickelt, die als Kunstambau-Projekt das neue ebenfalls gigantische Shoppingcenter “Forum Duisburg“, das im September 2008 eröffnet wurde, schmückt. Besser gesagt: kommentiert. Hoffnung, Jenseitshoffnung,Spiritualität und ganz konkreter materieller Nutzen finden sich hier zusammengestellt.
Wahrscheinlich von denInvestoren weniger so gesehen,kann die goldene Himmelsleiter allgemein und speziell in einer schwer vom Wandel gebeutelten Stadt wie Duisburg, Symbol für das Mehr an (künstlerischem) Inhalt in einer haltlosen, materiellen Zeit sein.
Der Philosophische Dialog
steht im Zentrum der Philosophischen Praxis
Siehe auch philopraxis.ch
Andere Beziehungen
![]() |
| die Einen |
die ANDEREN BEZIEHUNGEN
ja die andren warn im Dunkeln , nur die Einen stehn im Licht
und wir sehn auf die im Licht stehn und die ANDERN sahn wir nicht ?
Glückwunsch dem Hochzeitspaar ! (Bern)
Leser dem AutorenPaar: Dominique Zimmermann (Basel) und Imre Hofmann (Zürich)
das Manuskript wurde gerade abgegeben und soll in diesem Jahr im Schmetterling-Verlag erscheinen.
Die AutorInnen lasen daraus in der LeseBucht vorab. Rege Diskussion!
Mike Roth für philopraxis.ch
Sommertreffen philopraxis.ch
Am 2. und 3. Juni fand in der LeseBucht / Höllturmpassage - in der alten Stadtmauer Radolfzell
das jährliche Sommertreffen des Netzwerks philopraxis.ch statt. Öffentliche Abendveranstaltung
GEDACHT _ GETAN _ GELESEN
am 2.6.
Dr. Anette Fintz / PD Dr. Roth / Mirjam Musica / Detlef Staude / Dominique Zimmermann & Imre Hofmann
das jährliche Sommertreffen des Netzwerks philopraxis.ch statt. Öffentliche Abendveranstaltung
GEDACHT _ GETAN _ GELESEN
am 2.6.
Dr. Anette Fintz / PD Dr. Roth / Mirjam Musica / Detlef Staude / Dominique Zimmermann & Imre Hofmann
Polyamorie
– Nachdenken über andere Beziehungsformen
Imre
Hofmann
/ Dominique Zimmermann
Philosophie
als Lebensform Mirjam
Musica
Die
Kunst der Beratung (oder
„Scheitern als Anfang“) Anette
Fintz
Im
Quellgebiet des philosophischen Dialogs
Detlef
Staude
Träumen,
Kunsten und Philosophieren : HIMMELSLEITER
Mike
Roth
aus
Anlass des Sommertreffens 2012 von philopraxis.ch am Bodensee
öffentliche Abendveranstaltung
Montag, 20. Juni 2011
PHILOCAFÉ Affektophon TEXT
BERN 4.6.2011 Wollen Sie ein Affektophon ?
Der an der ETH in Züri lehrende gründlich deutsche Philosoph Michael HAMPE hat u.a. dem Vorbild Peter Bieris (aber auch Platons utopischer Schriftstellerkunst) folgend 2009 einen durchaus ernstzunehmenden philosophischen Schelmenroman vorgelegt, der zur Zeit ein überwiegend positives Echo findet. Durchaus vergleichbar mit GOODSELLERN von Wilhelm Schmid (Glück 2007), Sloterdijk (Du musst dein Leben ändern 2009), Safranski (Romantik).
Eine Teilnehmerin des PhiloCafés vom 12.2. hier in Bern sagte, sie könne solche Texte nicht mehr lesen (wg. ihrer Augen) - und es wird weitere Gründe geben, warum frau und man sich aktuelle Entwicklungen in der Philosophie in einem gestrafften Einleitungsvortrag im caféphilo hier im Turmzimmer Schloss Bümpliz anhören , um anschliessend ins gemeinsame Philosophieren zu kommen.
Wir alle kennen am Leib getragene Telephone. Sie haben sich erst vor einigen Jahren bei uns fast allgemein verbreitet. Der bisherige Platz der Armbanduhr ist dadurch frei geworden. Hier könnte künfzig ein neuer kleiner Apparat befestigt sein. Er dient nicht dem Kontakt mit entfernteren Gesprächsteilnehmern, sondern mit dem eigenen "Inneren", mit unseren sich durch Hirnaktivitaet aufbauenden Gefühlen und das Affektophon am Handgelnk soll biofeedback ermöglichen., sozusagen durch einen Anruf "bei uns selbst".
Break (gesungen)
"die Maedchen in de-er Welt
sind falscher als da-as Geld"
Was sagt uns diese "canzone"? Das Lied "Ade zur guten Nacht" ...
verweist auf die belebte Natur unseres Heimatklimas:
"im Sommer, da blüht der Klee,
im Winter da schneit´s den Schnee"
(biblisch: alles zu seiner Zeit)
auffällig der starke Kontrast, typisch für ein Klima mit unterschiedlichen Jahreszeiten. Der Sänger spricht aber "durch die Blume" (durch den blühenden Klee und den sich reimenden kalten Schnee) von Gefühlen. Diese können zum Glück (Sommer, blühender Klee) gehören oder zum Unglück.
Sind nun Glück und Unglück wie Sommer und Winter? "Ertrage, was du nicht ändern kannst?"
Doch nun zu HAMPEs Text, der seinem wohl noch sehr kleinen Sohn HUGO gewidmet ist und den er einen „Kanon“ (=vielstimmigen Gesang) nennt.
Das 1. Kap. beginnt ein Ich-Erzaehler. Bei ihm gibt es Anklänge und reizvolle Unterschiede zu Autor Hampe. Der Erzähler berichtet von einer neugegründeten (und aus Geldmangel der öffentlichen Hand inzwischen geschlossenen) Akademie bei Hannover. Sie hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben zur Preisfrage:
KANN DAS MENSCHLICHE LEBEN VERVOLLKOMMNET WERDEN UND WENN JA, AUF WELCHEM WEG KOENNEN DIE MENSCHEN DAS GLUECK FINDEN?
Von "mehreren Postsäcken" eingesandter Texte bilden 4 den Mittelteil des Buchs. Die fiktive Auswahl dauerte ein ganzes Jahr: "ich hatte meinen Glauben an den Sinn von philosophischen Büchern und vor allem an den Sinn dieser Preisfrage eigentlich schon verloren, bevor ich mich mit den eingegangenen Schriften befasste" – heisst es einleitend. "Ich hatte lediglich die Texte ausgewählt, die mir am besten gefielen," schrieb HAMPEs Erzähler, "doch merkwürdigerweise ergänzen sie sich gegenseitig" - was an die Ringparabel denken laesst: "zu der Zeit, als ich die jetzt abgedruckten (Texte) ... las, war ich während der Tage der Lektüre und auch noch kurz danach davon überzeugt, dass der jeweilige Autor recht hatte".
Affektephone werden behandelt im ersten Text ( zugeschrieben Erwin Weinberger, Physiker und Wissenschaftsphilosoph ).
Wie kommt die Rede auf "Gefühle" / Affekte ?
Satz 1: Unser Weg zum Glück liegt in der Vermeidung des Unglücks.
Satz 2: Das beste Mittel, das wir zur Vermeidung von Unglück haben, sind Wissenschaft und Technik.
Satz 3: Es sind Fakten in unserem Bewusstsein und Gefuehlsleben / Affektleben, die für das Glück entscheidend sind.
Nachsatz: Am Ende,wenn die Wirklichkeit und wir selbst für uns transparent sind, wird es uns wie Schuppen von den Augen fallen. Die Welt ist verständlich. Und das wird Konsequenzen haben für Vermeidung von Unglück im menschlichen Leben.
Affektophone sind ein Werkzeug dazu.
Machen wir einen grossen Schritt zurück! Plato lässt den nachdenklichen Sokrates 3 Teile im Wesenskern von uns Menschen, in unserem SELBST, in der SEELE unterscheiden:
1. Begierde / Strebung / Affekt (wie andere Lebewesen auch)
2. Vernunft des zur Rede begabten Wesens Menschenbild
- und dann ein Drittes, das den Auschlag geben soll
(solange 1 und 2 nicht übereinstimmen)
Das Bemühen des Sokrates ist: sie zur Harmonie zu führen und das nennt er eine philosophische Selbstsorge und zugleich Selbstbeherrschung. Alles Weitere komme dann später.
Und wieder ein grosser zeitlicher Sprung wieder zurück zu gegenwärtigem Philosophieren! Wilhelm Schmid hat ja 2010 DIE LIEBE NEU ERFINDEN auf den Büchermarkt gebracht. Untertitel: Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen
Ausgerechnet auf S. 13 lesen wir:
Auf dem „Weg zur Weisheit“ komme es darauf an, „für ein überlegtes Verhalten (Handeln) … nach Gründen zu suchen und sie abzuwägen. Bei diesem argumentativen Vorgehen kann die Philosophie behilflich sein … Der jeweilige Mensch trifft selbst seine Wahl, sinnvollerweise jedoch mit Gründen, die sie und er im Denken und Fühlen ausreichend abgewogen hat … Die Gründe kann sie und er allein abwägen (oder mit Anderen) … Als gute Gründe kommen dabei nicht nur Überlegungen, sondern auch GEFÜHLE in Betracht“ (S.13, Schmid LIEBE)
p. 18 freier raum des Künftigen: die Gefühle schon mal vorausschicken und die Gedanken dorthin zu bewegen
p. 52 nicht mehr nur für die eigenen Gefühle
Und es gibt da auch einen ganzen Abschnitt, überschrieben:
UND WENN ES ÄRGER GIBT?
DIE ALLTÄGLICHE POLARITÄT VON GEFÜHLEN
141 – 152
Bei Schmid ist „Leben in Polaritäten“ (99) ein grundlegender Zug seiner Darstellung und „Freud und Leid“, Wohlfühlglücksgefühl und ärgerliche Wut „Teil der Polarität, die sich im gesamten Leben als unvermeidlich erweist“.
Hampes AFFEKTOPHON soll zum Glück tendierendes Gefühl erkennbar machen, damit wir es willentlich verstärken. Dem Glück widriges Gefühl sollte die Alarmglocke auslösen.
Getreu der (bescheidenen?) These, dass Glück durch Minderung der Häufigkeit und der Stärke „negativer“ Hirnzustände anzustreben ist, steht die Selbsthemmung im Vordergrund.
Ich verlas dann - mit Unterbrechungen - S. 103 bis 105
und dann wurde munter philosophiert!
Der an der ETH in Züri lehrende gründlich deutsche Philosoph Michael HAMPE hat u.a. dem Vorbild Peter Bieris (aber auch Platons utopischer Schriftstellerkunst) folgend 2009 einen durchaus ernstzunehmenden philosophischen Schelmenroman vorgelegt, der zur Zeit ein überwiegend positives Echo findet. Durchaus vergleichbar mit GOODSELLERN von Wilhelm Schmid (Glück 2007), Sloterdijk (Du musst dein Leben ändern 2009), Safranski (Romantik).
Eine Teilnehmerin des PhiloCafés vom 12.2. hier in Bern sagte, sie könne solche Texte nicht mehr lesen (wg. ihrer Augen) - und es wird weitere Gründe geben, warum frau und man sich aktuelle Entwicklungen in der Philosophie in einem gestrafften Einleitungsvortrag im caféphilo hier im Turmzimmer Schloss Bümpliz anhören , um anschliessend ins gemeinsame Philosophieren zu kommen.
Wir alle kennen am Leib getragene Telephone. Sie haben sich erst vor einigen Jahren bei uns fast allgemein verbreitet. Der bisherige Platz der Armbanduhr ist dadurch frei geworden. Hier könnte künfzig ein neuer kleiner Apparat befestigt sein. Er dient nicht dem Kontakt mit entfernteren Gesprächsteilnehmern, sondern mit dem eigenen "Inneren", mit unseren sich durch Hirnaktivitaet aufbauenden Gefühlen und das Affektophon am Handgelnk soll biofeedback ermöglichen., sozusagen durch einen Anruf "bei uns selbst".
Break (gesungen)
"die Maedchen in de-er Welt
sind falscher als da-as Geld"
Was sagt uns diese "canzone"? Das Lied "Ade zur guten Nacht" ...
verweist auf die belebte Natur unseres Heimatklimas:
"im Sommer, da blüht der Klee,
im Winter da schneit´s den Schnee"
(biblisch: alles zu seiner Zeit)
auffällig der starke Kontrast, typisch für ein Klima mit unterschiedlichen Jahreszeiten. Der Sänger spricht aber "durch die Blume" (durch den blühenden Klee und den sich reimenden kalten Schnee) von Gefühlen. Diese können zum Glück (Sommer, blühender Klee) gehören oder zum Unglück.
Sind nun Glück und Unglück wie Sommer und Winter? "Ertrage, was du nicht ändern kannst?"
Doch nun zu HAMPEs Text, der seinem wohl noch sehr kleinen Sohn HUGO gewidmet ist und den er einen „Kanon“ (=vielstimmigen Gesang) nennt.
Das 1. Kap. beginnt ein Ich-Erzaehler. Bei ihm gibt es Anklänge und reizvolle Unterschiede zu Autor Hampe. Der Erzähler berichtet von einer neugegründeten (und aus Geldmangel der öffentlichen Hand inzwischen geschlossenen) Akademie bei Hannover. Sie hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben zur Preisfrage:
KANN DAS MENSCHLICHE LEBEN VERVOLLKOMMNET WERDEN UND WENN JA, AUF WELCHEM WEG KOENNEN DIE MENSCHEN DAS GLUECK FINDEN?
Von "mehreren Postsäcken" eingesandter Texte bilden 4 den Mittelteil des Buchs. Die fiktive Auswahl dauerte ein ganzes Jahr: "ich hatte meinen Glauben an den Sinn von philosophischen Büchern und vor allem an den Sinn dieser Preisfrage eigentlich schon verloren, bevor ich mich mit den eingegangenen Schriften befasste" – heisst es einleitend. "Ich hatte lediglich die Texte ausgewählt, die mir am besten gefielen," schrieb HAMPEs Erzähler, "doch merkwürdigerweise ergänzen sie sich gegenseitig" - was an die Ringparabel denken laesst: "zu der Zeit, als ich die jetzt abgedruckten (Texte) ... las, war ich während der Tage der Lektüre und auch noch kurz danach davon überzeugt, dass der jeweilige Autor recht hatte".
Affektephone werden behandelt im ersten Text ( zugeschrieben Erwin Weinberger, Physiker und Wissenschaftsphilosoph ).
Wie kommt die Rede auf "Gefühle" / Affekte ?
Satz 1: Unser Weg zum Glück liegt in der Vermeidung des Unglücks.
Satz 2: Das beste Mittel, das wir zur Vermeidung von Unglück haben, sind Wissenschaft und Technik.
Satz 3: Es sind Fakten in unserem Bewusstsein und Gefuehlsleben / Affektleben, die für das Glück entscheidend sind.
Nachsatz: Am Ende,wenn die Wirklichkeit und wir selbst für uns transparent sind, wird es uns wie Schuppen von den Augen fallen. Die Welt ist verständlich. Und das wird Konsequenzen haben für Vermeidung von Unglück im menschlichen Leben.
Affektophone sind ein Werkzeug dazu.
Machen wir einen grossen Schritt zurück! Plato lässt den nachdenklichen Sokrates 3 Teile im Wesenskern von uns Menschen, in unserem SELBST, in der SEELE unterscheiden:
1. Begierde / Strebung / Affekt (wie andere Lebewesen auch)
2. Vernunft des zur Rede begabten Wesens Menschenbild
- und dann ein Drittes, das den Auschlag geben soll
(solange 1 und 2 nicht übereinstimmen)
Das Bemühen des Sokrates ist: sie zur Harmonie zu führen und das nennt er eine philosophische Selbstsorge und zugleich Selbstbeherrschung. Alles Weitere komme dann später.
Und wieder ein grosser zeitlicher Sprung wieder zurück zu gegenwärtigem Philosophieren! Wilhelm Schmid hat ja 2010 DIE LIEBE NEU ERFINDEN auf den Büchermarkt gebracht. Untertitel: Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen
Ausgerechnet auf S. 13 lesen wir:
Auf dem „Weg zur Weisheit“ komme es darauf an, „für ein überlegtes Verhalten (Handeln) … nach Gründen zu suchen und sie abzuwägen. Bei diesem argumentativen Vorgehen kann die Philosophie behilflich sein … Der jeweilige Mensch trifft selbst seine Wahl, sinnvollerweise jedoch mit Gründen, die sie und er im Denken und Fühlen ausreichend abgewogen hat … Die Gründe kann sie und er allein abwägen (oder mit Anderen) … Als gute Gründe kommen dabei nicht nur Überlegungen, sondern auch GEFÜHLE in Betracht“ (S.13, Schmid LIEBE)
p. 18 freier raum des Künftigen: die Gefühle schon mal vorausschicken und die Gedanken dorthin zu bewegen
p. 52 nicht mehr nur für die eigenen Gefühle
Und es gibt da auch einen ganzen Abschnitt, überschrieben:
UND WENN ES ÄRGER GIBT?
DIE ALLTÄGLICHE POLARITÄT VON GEFÜHLEN
141 – 152
Bei Schmid ist „Leben in Polaritäten“ (99) ein grundlegender Zug seiner Darstellung und „Freud und Leid“, Wohlfühlglücksgefühl und ärgerliche Wut „Teil der Polarität, die sich im gesamten Leben als unvermeidlich erweist“.
Hampes AFFEKTOPHON soll zum Glück tendierendes Gefühl erkennbar machen, damit wir es willentlich verstärken. Dem Glück widriges Gefühl sollte die Alarmglocke auslösen.
Getreu der (bescheidenen?) These, dass Glück durch Minderung der Häufigkeit und der Stärke „negativer“ Hirnzustände anzustreben ist, steht die Selbsthemmung im Vordergrund.
Ich verlas dann - mit Unterbrechungen - S. 103 bis 105
und dann wurde munter philosophiert!
Dienstag, 24. Mai 2011
PHILOCAFÉ Affektophon
Samstag den 4. Juni 2011 14°° - 16°° Schloss Bümpliz BE
BRAUCHEN SIE EIN AFFEKTEFON ?
Träume der Vernunft zur Minderung des Leidens
Wir alle kennen am Leib getragene Telephone. Sie haben sich erst vor einigen Jahren bei uns fast allgemein verbreitet. Der bisherige Platz der Armbanduhr ist dadurch frei geworden. Hier könnte kuenfzig ein neuer kleiner Apparat befestigt sein. Er dient nicht dem Kontakt mit entfernteren Gespraechsteilnehmern, sondern mit dem eigenen "Inneren", mit unseren sich durch Hirnaktivität aufbauenden Gefuehlen und das Affektophon am Handgelenk soll biofeedback ermöglichen., sozusagen durch einen Anruf "bei uns selbst". Wir streben nach einem gluecklichen, "guten" Leben.
Das Affektephon soll helfen, selbstbewirktes Unglück abzuwenden. Text: Michael Hampe (2009),
Das vollkommene Leben. - die erste Meditation über Tod und Glück, S. 43 ff (104 Affektoskop)
vorausgegangen
„Glück?“ – „Arbeit!“ - Wie werde ich glücklich?
Samstag den 4. Dezember 2010 14°° - 16°°
Die zu diskutierenden Themen sind altehrwürdig & stets aktuell. Wer möchte nicht glücklich sein? Von was hängt Glück ab? Gibt es dauerhaftes Glück? Wilhelm Schmid will in seinem beliebten Büchlein „Glück“ uns zeigen, „...warum es nicht das Wichtigste ist“ - Wie ist denn das zu verstehen? Ist Arbeit wichtiger als Glück? Macht Arbeit glücklich?
Im Büchlein „Die Liebe neu erfinden. Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen“ stellt Wilhelm Schmid Überlegungen zur Arbeit an, die zur Klärung herangezogen werden.
Einführung und Moderation: PD Dr. Volkbert M. Roth (Uni Konstanz)
BRAUCHEN SIE EIN AFFEKTEFON ?
Träume der Vernunft zur Minderung des Leidens
Wir alle kennen am Leib getragene Telephone. Sie haben sich erst vor einigen Jahren bei uns fast allgemein verbreitet. Der bisherige Platz der Armbanduhr ist dadurch frei geworden. Hier könnte kuenfzig ein neuer kleiner Apparat befestigt sein. Er dient nicht dem Kontakt mit entfernteren Gespraechsteilnehmern, sondern mit dem eigenen "Inneren", mit unseren sich durch Hirnaktivität aufbauenden Gefuehlen und das Affektophon am Handgelenk soll biofeedback ermöglichen., sozusagen durch einen Anruf "bei uns selbst". Wir streben nach einem gluecklichen, "guten" Leben.
Das Affektephon soll helfen, selbstbewirktes Unglück abzuwenden. Text: Michael Hampe (2009),
Das vollkommene Leben. - die erste Meditation über Tod und Glück, S. 43 ff (104 Affektoskop)
vorausgegangen
„Glück?“ – „Arbeit!“ - Wie werde ich glücklich?
Samstag den 4. Dezember 2010 14°° - 16°°
Die zu diskutierenden Themen sind altehrwürdig & stets aktuell. Wer möchte nicht glücklich sein? Von was hängt Glück ab? Gibt es dauerhaftes Glück? Wilhelm Schmid will in seinem beliebten Büchlein „Glück“ uns zeigen, „...warum es nicht das Wichtigste ist“ - Wie ist denn das zu verstehen? Ist Arbeit wichtiger als Glück? Macht Arbeit glücklich?
Im Büchlein „Die Liebe neu erfinden. Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen“ stellt Wilhelm Schmid Überlegungen zur Arbeit an, die zur Klärung herangezogen werden.
Einführung und Moderation: PD Dr. Volkbert M. Roth (Uni Konstanz)
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